On the road oder Freitag der 13. und der lange Weg nach Florida

Die ersten Tage in den USA verbringen wir sehr touristisch mit Sightseeing. Da das Schiff mit unserem Bus mittlerweile drei Tage Verspätung hat, verlängern wir unseren Aufenthalt in Washington um eine Nacht. Das ist bei dem schönen und netten Airbnb auch gar kein Problem. In Washington gibt es viele Museen und Monumente sowie natürlich das Weiße Haus und das Kapitol zu bewundern, da schadet ein Tag mehr Zeit überhaupt nicht. Wir laufen wieder sehr, sehr viel und genießen dabei das wunderbare Frühlingswetter hier. Schließlich bringt uns ein Greyhound-Bus nach Baltimore, wo wir wieder ein sehr schönes Airbnb ausgesucht haben, wie wir erfreut feststellen. Eine junge Familie mit einer 13 Monate alten Tochter hat ihr Gästezimmer über Airbnb vermietet. Er ist Schotte und sie Amerikanerin, zusammen reisen sie auch sehr gerne und haben unter anderem schon in Spanien, Mexiko und Washington DC zusammen gewohnt. Nun bewohnen sie ein kleines Reihenhaus in Baltimore und wir dürfen im Gästezimmer schlafen. Wir verstehen uns sehr gut mit den beiden und haben einen netten gemeinsamen Abend. Baltimore ist auch schön, doch leider regnet es den ganzen Tag, sodass wir bald die Nase voll haben vom Laufen und lieber die anstehende Abholung des Busses planen.

Denn endlich hat das Schiff im Hafen von Baltimore angelegt! Wir haben sofort die hier zuständige Spedition „Pride international“ kontaktiert, um rauszufinden, wann wir unser Auto abholen können. Wir bekommen die Antwort, dass das Entladen einen Tag dauert, wir aber am nächsten Tag ab 8:30 Uhr kommen dürfen. Wir freuen uns riesig und leiten die gute Nachricht an unseren Agenten Kurt Müller weiter. Herr Müller ist vor 54 Jahren mit seiner Frau zusammen aus Deutschland ausgewandert und arbeitet zur Aufbesserung seiner Rente als Agent für SeaBridge. Leider hat er erst ab 12:30 Uhr für uns Zeit, was uns kurz frustriert. Aber als Herr Müller uns abholt, können wir diesem netten Mann nicht böse sein. Morgens mussten zwei Franzosen recht notfallmäßig ihr Auto verschiffen, da haben wir natürlich den kürzeren gezogen, wie wir auf der Fahrt zum Hafen erfahren. Die weiteren Formalitäten im Hafen verlaufen durch Herrn Müllers langjährige Erfahrung total unproblematisch. Außer Bezahlen müssen wir nichts machen und kurze Zeit später stehen wir mit unserem VW-Bus außerhalb des Hafens auf einem Parkplatz. Wir sind so glücklich, dass die große Reise nun endgültig losgeht, dass wir es gar nicht fassen können. Sofort fangen wir an, das Auto so umzuräumen, wie wir es davor geplant hatten. Fabi schraubt außen die Berliner Nummernschilder und den Fahrradständer (wird später für Reservetanks benötigt) an und Leo organisiert den Innenraum. Unsere Rucksäcke werden ausgepackt und alles, was wir für die Überfahrt so ordentlich in den Schränken verstaut haben, wird nun für den alltäglichen Gebrauch in unserem Zuhause aufgeräumt. Und dann geht es los! Auf zur nächsten Diesel-Tankstelle und volltanken. Nicht so einfach wie man sich das vorstellt, denn an den meisten amerikanischen Tankstellen muss man vor dem Tanken auswählen, für wie viel Dollar man tanken möchte. Keine Ahnung, voll eben, so ungefähr 50 Liter! Nur halt in Gallons… Was war das noch gleich, 3,78 Liter? Naja, mit ein bisschen Hilfe vom Tankwart schaffen wir es. Den Rest des Tages verbringen wir größtenteils im Stau zwischen Baltimore und Washington. Das macht uns aber gar nichts aus, wir sind sowas von glücklich, dass wir endlich in unserem Zuhause sitzen und freuen uns auf die erste Nacht im eigenen Bett!

Die Nacht verbringen wir auf einem Walmart-Parkplatz ca. 350 km südlich von Baltimore. Auf Parkplätzen darf man in den meisten Bundesstaaten schlafen, wenn sie auch nachts geöffnet sind. Das ist natürlich eine günstige und einfache Schlafgelegenheit.

Da wir gerne am dritten Tag schon in Florida das Cape Canaveral Visitor Center von der NASA besuchen wollen, haben wir an unserem zweiten Tag ca. 1000 km durch fünf Bundesstaaten vor uns: Virginia, North Carolina, South Carolina, Georgia und schließlich Florida. Das ist an sich schon eine ziemlich motivierte Tour, aber heute ist auch noch Freitag der 13. und der hat es so richtig auf uns abgesehen. Eigentlich beginnt der Tag gut, als wir losfahren und gleich die erste Tankstelle unsere Kreditkarte akzeptiert ohne nach der amerikanischen Postleitzahl (die wir ja nicht haben) zu fragen, sodass wir unser Busle und unsere Reservekanister volltanken können. Beim Befestigen der Reservekanister stellen wir aber fest, dass sie vollgetankt ohne eine Unterlage doch zu instabil sind. Also auf zum nächsten Walmart und eine Unterlage suchen. Ein großes Schneidebrett ist unser Mittel der Wahl. Als wir unsere Konstruktion auf dem Parkplatz installieren wollen, dämmert uns, dass wir leider unsere Gurte und das Fahrradschloss zum Befestigen an der Tankstelle liegen gelassen haben. So ein Mist! Zum Glück sind es nur ein paar Meilen zurück zur Tankstelle. Dort fehlt von unseren Gurten leider jede Spur, die fand jemand anders wohl sehr hilfreich und sie wurden in der halben Stunde einfach geklaut. Auf den Ärger gönnen wir uns erst mal Kaffee und Sandwiches. Immerhin kriegen wir eine Gasflasche für unseren Herd. Die wiederum nicht durch die Tür in unserem Gasschrank in der Küche passt. Puh, da müssen wir uns wohl wieder mal was ausdenken. Solange kommt die Flasche eben einfach mitten in den Innenraum. Wir beschließen, erst mal ein paar Kilometer bzw. Meilen zurückzulegen und fahren ein paar Stunden. Bei der nächsten Tankstellenpause stellen wir fest, dass wir vorne rechts einen Platten haben. Und das am ersten Tag… Aber wir haben ja zwei Reserveräder dabei und sind gut für diesen Fall gewappnet. Trotzdem ist ein Reifenwechsel in der Mittagshitze kein Kinderspiel. Eine halbe Stunde später kann es weitergehen. Abends steuern wir wohl oder übel den nächsten Walmart an, um neue Gurte und ein neues Schloss zu kaufen. Glück im Unglück, die Wiederbeschaffung kostet nicht allzu viel und es gibt schöne grüne Gurte. Versöhnt laden wir die Reservekanister auf die Kofferbrücke und spannen sie fest. Wenigstens hält unsere Konstruktion. Doch Freitag der 13. hat leider noch eine Überraschung parat: Beim Einsteigen bemerken wir eine kleine Pfütze unter dem Motor. Die Ölwanne ist eigentlich erst ein Jahr alt, die wird doch nicht schon wieder kaputt sein können? Etwas besorgt setzen wir unsere Fahrt fort. Jetzt abends können wir eh nichts machen. Dass wir morgen zum Kennedy Space Center gehen, können wir uns in der Zwischenzeit abschminken, aber immerhin schaffen wir es noch bis Florida und schlafen dort auf dem Parkplatz des Welcome Center, der super schön unter Palmen liegt. Das Wetter gefällt uns auch gleich viel besser als der Regen in Baltimore, auch nachts ist es hier noch gut warm.

Zum Glück folgt auf Freitag den 13. irgendwann Samstag der 14. Bei perfektem Sonnenschein und Hitze fahren wir zwei Orte weiter. Dort befragen wir ein paar Werkstätten zu unserem leicht tropfenden Motor, die alle entweder keine VW-Busse reparieren oder gleich zu machen oder keine geeignete Rampe haben. Aber zwei Leute gucken kurz unter das Auto und sagen, es sei nur die Dichtung plus ein wenig Kühlflüssigkeit. Nichts allzu schlimmes also, der Motor schnurrt ja auch wie neu. Eine Werkstatt, die das beheben kann, können wir jetzt am Wochenende eh nicht finden. Wir überprüfen also Ölstand und Kühlflüssigkeit und verschieben das Problem bis nach Disney. Auf den Schreck gehen wir erst mal ein bisschen im Outlet-Center bummeln. Dann machen wir uns an die nächste Etappe durch Florida. Die führt uns an den Atlantik, wo wir das erste Mal ins Meer hüpfen und das tolle Wetter richtig auskosten. Da sind alle Sorgen vergessen. Ein paar Meilen weiter auf einer wunderschönen Straße haben wir auch unsere Unterkunft für die Nacht erreicht: Ein Bed & Breakfast 20 Minuten vom Cape Canaveral. Der Eigentümer reist selbst sehr gerne und stellt für interessante Reisende (das sind wir zum Glück!) ein kostenloses Zimmer für 1-2 Nächte im Gegenzug für ein paar spannende Reisegeschichten zur Verfügung. Als wir ankommen, ist der Eigentümer noch nicht da, aber das stört uns überhaupt nicht. Wir haben nämlich ein „U-pick blueberries“-Schild gesehen. Da fahren wir doch gleich mal hin und pflücken auf einer kleinen Farm eine große Tüte Blaubeeren. Lecker! Dann parken wir und erledigen innerhalb kürzester Zeit alle großen Bastelaktionen am Auto, die wir auf einen ruhigen Moment verschoben hatten. Wenn die Gasflasche nicht durch die Tür passt, muss eben die Küche über die Gasflasche passen. Wir bauen kurzerhand die Küche aus, platzieren die Gasflasche am vorgesehenen Ort und stellen die Küche wieder darüber. SO macht man das also. Auch der Frischwassertank ist innerhalb von 15 Minuten dicht. Jetzt ist unser Zuhause so richtig bewohnbar. Und bei einem Blick unters Auto stellen wir auch fest, dass dort gar nichts mehr tropft. So ist das also am Samstag dem 14. Eine warme Dusche später haben wir die Strapazen der langen Fahrt schon fast wieder vergessen. Jetzt lernen wir auch Roan, unseren Gastgeber, und seine Familie kennen. Sie sind total gastfreundlich und nett. Obwohl wir selbst nur Blaubeeren beisteuern können, wird ein Wein geöffnet und auf das frisch vermählte Paar angestoßen. Wir haben ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Aber Roan erklärt, das Prinzip sei ganz einfach: Ihm ist auf Reisen so viel Gutes passiert, er gibt gute Erfahrungen an uns weiter und wir werden wieder jemandem gegenüber Gutes tun. Das werden wir ganz bestimmt! Den ganzen Abend quatschen wir über Reisen, Essen, lange unterwegs sein und Disney – Roan und seine Familie sind nämlich große Fans. Es ist total entspannt und spannend gleichzeitig. Wirklich ein willkommener Stop nach dem harten Start unserer Tour. Glücklich fallen wir abends in unser Bett und lauschen vor dem Einschlafen noch den Geräuschen der Vögel um uns herum. So kann die Reise weitergehen.

Am nächsten Tag gibt es sogar noch ein reichhaltiges Frühstück von Roan, mit in Sirup gebratenem Bacon, da lacht das Bacetarier-Herz 😉 Dann erkunden wir den ganzen Tag das Kennedy Space Center. Von hier sind die NASA-Missionen ins Weltall gestartet. Es gibt viele tolle Filme und interaktive Ausstellungen über die Apollo-Mondmissionen und zukünftige Mars-Missionen sowie ein echtes Space Shuttle, das 33 Mal im All war, zu sehen. Abgesehen von den absurd kalten Klimaanlagen sind wir begeistert. Bei Anbruch der Dunkelheit gehen wir einkaufen und fahren nach Orlando, wo Disney World auf uns wartet. Eine Woche Luxus (Sterne-Campingplatz mit eigenem Grill) und „happiest place on earth“ ist jetzt genau, was wir brauchen. Have a magical week sagen wir da 🙂

Wir sind also mit unserem Busle unterwegs! Auf der Autobahn gibt es nur selten Internet, deshalb kommt der Bericht jetzt erst und ist etwas länger geworden.

Leo & Fabi