Lächeln und Winken und: Neue kuriose Roadtrip-Geschichten

Reisekilometer: 1.993

Am 15.5. kommen wir nach unserem Tag in Cape Canaveral müde auf dem Disney-Campingplatz „Fort Wilderness“ in Orlando an und beziehen unseren superschönen Stellplatz im Wald.

Schnell stellen wir fest, was wir uns beim Aushändigen der Liste mit TV-Sendern am Check-In eigentlich schon hätten denken können: dass wir mit unserem VW-Bus hier die absoluten Außenseiter sind. Auf allen anderen Stellplätzen stehen Wohnmobile in ungefähr der Größe eines deutschen Reisebusses plus ein Jeep und ein Golfcaddy. Viele haben ihre eigenen Mickey Maus-Lampen installiert, ihren Gasgrill und Fernseher aufgebaut und ihre Fahrräder mitgenommen. Einer fährt sogar seinen Mini (das Auto!) vor der Abfahrt kurzerhands hinten in sein Wohnmobil. Und unser Nachbar hat einen elektrischen Laubbläser im Gepäck, mit dem er morgens den Waldstellplatz von den Nadeln und Blättern befreit. Der Begriff „mobile home“ bekommt da gleich eine ganz andere Bedeutung. Dass unser Busle mal als klein und spartanisch eingerichtet durchgehen würde, hätten wir auch nicht gedacht. Aber die Stimmung auf dem Campingplatz ist nett. Man kennt sich und grüßt sich oder nickt jedenfalls nett. Und um uns herum hüpfen viele Geckos und Eichhörnchen und sogar Rehe laufen frei herum. Leider finden es auch die Mücken hier sehr schön.

Wir stürzen uns in eine Woche voller Disney-Freizeitparks. Disney World wurde von Walt Disney selbst gegründet und soll dem Besucher das Gefühl vermitteln, in einen Film gesprungen zu sein. Es gibt nicht etwa nur einen Park, sondern gleich vier Freizeitparks und zwei Wasserparks sowie eine Flaniermeile und verschiedene weitere Freizeitangebote wie Golfplätze, alles verbunden durch ein eigenes Autobahnsystem. Also tatsächlich eine eigene Welt. Das Konzept ist auch gut gelungen, es gibt viel zu sehen und zu bestaunen und jede Menge gute Laune. Dazu tragen auch die unzähligen Menschen bei, die nur dazu angestellt sind, zu lächeln und zu winken. Wir bewundern immer wieder, wie viele es von ihnen gibt: Am Eingang und Ausgang stehen sie, begrüßen und verabschieden einen. Und lächeln und winken natürlich. An den Achterbahnen kontrollieren sie erst den Einstieg, bei der Abfahrt heißt es lächeln und winken. Beim Ankommen geht es ebenso, nur mit anschließender Info, wo der nächste Ausgang ist. Und sogar mitten auf den Straßen stehen sie, blasen Seifenblasen, lächeln und winken. Und wenn man einen Button trägt, der verkündet, dass man etwas zu feiern hat (wir haben „Happily ever after – 2016 – Honeymoon“-Buttons bekommen, die wir aber nur am letzten Tag tragen), wird noch „Congratulations!“ ergänzt. Nach ein bisschen Eingewöhnung lächeln und winken wir gut gelaunt zurück.

Das Wetter ist vor allem am Anfang durchwachsen und nachmittags gewittert es oft, sodass einige Attraktionen schließen, aber dank der Disney-App, in der man Wartezeiten einsehen kann und begrenzte FastPasses für bestimmte Attraktionen reservieren kann, schaffen wir es trotzdem locker, in der Woche alles abzuklappern, was wir sehen wollen. Vor allem in den Wasserparks haben wir viel Spaß und am Ende der Woche ist dafür auch das perfekte Wetter. Wir können jetzt stolz von uns behaupten, die höchste Wasserrutsche Amerikas gerutscht zu sein (bis vor kurzem noch die höchste der Welt, aber da hat wohl irgendein Frechdachs eine höhere gebaut….)! Ein Video davon folgt, sobald wir das USA-Video fertig geschnitten haben 😉

Zwischendurch genießen wir es, vorläufig ein Weilchen an einem Ort zu sein und nutzen die Gelegenheit, um auch jeden Tag ein bisschen an unserem Bus zu basteln. Denn der Zuwasserschlauch ist so porös, dass er immer wieder neu bricht, unser Dachfenster ist leider noch nicht ganz dicht und unser Kühlschrank versteht sich mit dem 110 Volt-Strom hier nicht. So unternehmen wir einige Ausflüge zu Walmart und Home Depot (eine Art OBI) und finden nach langem Suchen schlussendlich bei Aldi (schmunzel) eine 12 Volt-Kühlbox. Unser Busle wird jeden Tag ein bisschen wohnlicher.

Jetzt sind wir wieder on the road und auf dem Weg nach New Orleans. Übernachten tun wir weiterhin kostenlos auf Autobahn-Rastplätzen, sogenannten „Rest Areas“. Kuriose Geschichten haben wir in dem halben Tag auf der Straße schon wieder einige erlebt. Immer wieder fällt unser Auto hier auf, sei es wegen seines Alters, wegen des „Just Married“-Schilds oder weil niemand hier einen VW-Bus fährt. Heute Morgen hat uns erst jemand mit „Guten Morgen“ begrüßt, dann wurden wir gefragt, ob wir einen Toaster hätten, als wir arme Ritter gefrühstückt haben und immer wieder erzählt jemand von seinen eigenen Reisen oder seinem Aufenthalt bei einer amerikanischen Militärstation in Deutschland. Und alle wünschen uns natürlich „safe travels“.

Unser vorläufiges Highlight an lustigen Begegnungen hatten wir aber heute Mittag auf einem Parkplatz in Tallahassee, deswegen hier ein kleines Protokoll der Begegnung: Zwei Damen mittleren Alters laufen gut gelaunt an uns vorbei, eine mit Telefonieren beschäftigt, die andere völlig aus dem Häuschen, als sie unseren VW-Bus entdeckt: „Oh, this is SO old school. Really, this is old school. I have to take a picture of this. Get away from the phone and look at this!“ Sie zieht ihre Begleiterin zu unserem Bus und stellt uns viele Fragen, woher wir kommen. Dann entdeckt sie das „Just Married“-Schild. „Oh, and you just married? Congratulations! It’s my birthday today.“ Wir gratulieren ebenfalls. Es folgt die obligatorische Frage nach unserem Reisziel. Dass dies Chile ist, stößt erst auf Unverständnis („Where?“ – „Chile.“ – „Where?“ – „Chile. In South America.“), dann auf Unglauben und schließlich auf helle Begeisterung. Als nächstes geht es für uns über New Orleans nach Mexiko, erklären wir. „Do you have a gun? It can get kinda rough in Mexico.“ Ähm, nein, das wäre an der Grenze ja auch eher schwierig, mit der Pistole einzureisen. Und wir haben in Mexiko Bekannte, die sich auskennen. Das beruhigt sie. Die Frauen schießen noch ein paar Geburtstagsschnappschüsse mit uns, wünschen uns eine gute Reise und schenken uns zum Abschied sogar noch 25 Dollar Visa-Guthaben nachträglich zur Hochzeit. Wir bedanken uns und sind ein bisschen fassungslos. Den Tag der zwei Damen scheinen wir ja ganz gut aufgemischt zu haben mit unserem Stop in Tallahassee. Lachend fahren wir weiter. Wie Fabi es ausdrückt: Wir nähern uns Texas, da steigt eben nicht nur die Zahl der Waffenläden an der Straße, sondern auch die Zahl der selbstverständlichen Waffenbesitzer.

Wir sitzen grad in einem Burgerladen mit kostenlosem Internet und starten gleich in den zweiten Teil des Roadtrip-Tages. Morgen mittag erreichen wir hoffentlich New Orleans, verbringen dort ein, zwei Tage und fahren dann weiter Richtung mexikanische Grenze. Davor werden wir noch einen Grenzvorbereitungstag einlegen, an dem wir Unterlagen zusammensammeln, die Infos unserer Reiseunterlagen und vom Auswärtigen Amt lesen und wichtige Grenzübergangs-Vokabeln auf Spanisch lernen. Und dann müssten wir in ein paar Tagen oder in spätestens einer Woche bei Larry in Barra de Navidad sein, von wo wir uns bestimmt wieder melden.

Also auf zu neuen Abenteuern in New Orleans und bis bald!