Abschied von Mexiko und: You better Belize it!

Reisekilometer: 10.245

Unsere Tage in Mexiko sind gezählt. An unserem letzten Tag in Xpu-Ha machen wir noch einen Tauchausflug in eine Cenote, einen natürlichen Pool, der über unterirdische Flusssysteme mit dem Meer und anderen Cenoten verbunden ist. Dort tauchen wir weitgehend im Dunkeln, weswegen man faszinierende Lichtspiele beobachten kann. Spannend (und etwas gruselig) ist auch der Übergang von Süßwasser zu Salzwasser, denn wo sich die Wasserschichten mischen sieht man zwischendurch nur noch verschwommen. Abends begleiten wir auf Tipp unseres Kapitäns hin einen Biologen, der Meeresschildkröten schützt, bei seiner nächtlichen Arbeit: Wir haben das Glück, zu beobachten, wie die Schildkröten am Strand ihre Eier legen und dann zurück ins Meer schwimmen. Das passiert wohl nur einmal im Jahr und meist an Vollmond. Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen von den Bahia Divers, mit denen wir in der letzten Woche doch auch nachmittags ab und zu ein Bier getrunken und gequatscht haben. Dann fahren wir zur Laguna Bacalar in Richtung belizischer Grenze. Die Lagune kommt uns vor wie ein riesiger Swimmingpool, da das Wasser kristallklar ist, die perfekte Temperatur hat und man überall stehen kann. Wir suchen noch ein würdiges Abschiedsessen, aber offenbar haben wir in knapp einem Monat nichts gelernt, denn wir fallen mal wieder durch das Raster der Essenszeiten und plündern am Ende nur den örtlichen Bäcker, bevor wir einen Cocktail in der Strandbar trinken. Schließlich macht uns Mexiko den Abschied dann doch nicht so schwer wie gedacht: An unserem letzten Abend und am Morgen des Grenzübergangs regnet es in Strömen. Nichts wie weg, scherzen wir lachend, als wir uns auf den Weg zur Grenze machen.

Der Grenzübergang verläuft reibungslos. Die mexikanischen Beamtinnen sprechen plötzlich sogar Englisch und auf der belizischen Seite werden wir sofort freundlich begrüßt und durch den Einreiseprozess geleitet – von einem Gauner, der sich als Grenzbeamter ausgibt und für die eigentlich kostenlose Fahrzeugeinfuhr eine Gebühr abkassiert, aber das erfahren wir erst später. Schon hier an der Grenze lernen wir die ganz typische belizische Entspanntheit kennen, der wir in den nächsten Tagen sehr oft begegnen. Es kommt hier schon mal vor, dass ein Tourguide erst seinen Joint aufrauchen muss, bevor es losgehen kann. Oder dass die Kassiererin im Supermarkt erst ihre SMS zu Ende schreiben oder ihren Smalltalk mit dem Kollegen beenden muss, bevor sie uns bedient. Oder dass ein Ferienhaus-Vermieter erst duschen muss, bevor er uns sagen kann, ob wir auf seinem Parkplatz übernachten können. Aber irgendwie ist das nicht nervig, sondern sympathisch. Vielleicht, weil wir in bester Urlaubslaune sind.

Denn das Land gefällt uns auf Anhieb. Die kreolische Bauweise der Häuser erinnert an New Orleans, nur sind die Häuser meist etwas heruntergekommener. Aber nicht hässlich, sondern mit Charme. Die Landschaft ist dank des Regens, der auch hier nicht aufhört zu prasseln, üppig grün. Die Highways sind kleinere Landstraßen, aber in einem guten Zustand, die Städte sind allenfalls Kleinstädte und haben so schöne Namen wie Orange Walk oder Crooked Tree. Viele Menschen auf der Straße winken unserem Bus zu und wenn man zu Fuß unterwegs ist, hört man immer wieder „Hi, how are you?“ von Wildfremden. Das ist gleich das nächste zur Abwechslung ganz angenehm ist: Die Landessprache ist hier Englisch und wir können plötzlich wieder so ziemlich alles verstehen, wenn wir wollen. So ziemlich alles deswegen, weil viele Belizer untereinander auch Kriol, eine Art Slang, sprechen. Und um Sätze wie „Da how yu di du?“ zu interpretieren, müssen wir schon ziemlich raten.

Wir fahren also mit offenen Augen durch den Norden Belizes, was dank der geringen Größe echt schnell geht. Wenig Auto fahren, viel unternehmen, bedeutet das für unsere Zeit in Belize. Wir frohlocken. Doch wir lernen auch schnell die Grenzen des schnellen Vorankommens kennen: Als unser Navi uns zum Naturschutzgebiet 40 km über eine übelste Schlagloch-Sandstraße mit Matschlöchern leiten will, die wir mangels anderer Wege am nächsten Tag auch wieder zurückfahren müssten, kehren wir nach 10 km etwas desillusioniert um. Längere Strecken abseits der Highways planen wir ab jetzt mit mehr Zeit ein. Aber der Tag ist schnell umgeplant und eineinhalb Stunden später sitzen wir versöhnt im Crooked Tree Nationalpark und genießen den Abend mit Blick auf den See. Von da an sind uns die Straßen auch abseits der Highways hold, sodass wir in den nächsten Tagen tatsächlich viel unternehmen und wenig fahren können und unsere kurze Zeit in Belize auskosten können.

Wir beobachten Vögel (bzw. schöne Häuser im Dorf, von Vögeln haben wir keine Ahnung), sehen Brüllaffen aus nächster Nähe, wandern durch den Dschungel, baden in Wasserfällen und tiefblauen Naturpools, gruseln uns in einer Höhle, die schon von den Maya genutzt wurde, lassen uns in Gummireifen durch ein Naturschutzgebiet treiben, hören eventuell einen Jaguar wegrennen, essen Hummer auf dem Hummerfest, trinken Seegras-Joghurtshakes und tauchen zum Belize Bareer Reef. Wir sind überrascht, wie vielfältig dieses kleine Land ist und wir sind froh, den Weg über Belize gewählt zu haben. Während wir am ersten Tag noch über den selbsternannten Slogan der Tourismusbranche, „You better Belize it“, schmunzeln mussten, scheint er uns heute perfekt zu dem Land zu passen.

Morgen wird unsere Woche in Belize noch von einem Ausflug zum ATM abgerundet. Das ist nicht etwa ein Geldautomat, sondern die Abkürzung für Actun Tunichil Muknal. Dies ist eine Höhle voller archäologischer Fundstücke hauptsächlich aus der Maya-Zeit. Spannend ist aber auch der Weg dorthin: Es gibt keine Straße, sondern man muss wandern und durch Flüsse schwimmen und waten.

Viele Grüße aus San Ignacio,

Leo und Fabi