Einmaliger Belize-Abschluss und gemischte Gefühle in Guatemala

Reisekilometer: 11.629

Mit gemischten Gefühlen werden wir Guatemala diese Tage verlassen. Das Land hat uns mit wunderschöner Landschaft beeindruckt, die Leute sind unglaublich nett und gesprächig (fast etwas zu gesprächig) und es ist wieder unheimlich vielfältig, dabei etwas weniger touristisch erschlossen als die anderen Länder. Perfekte Voraussetzungen für ein erstklassiges Roadtrip-Abenteuer. Doch mehr als die Hälfte der Zeit haben wir auf nicht enden wollenden Holperpisten, in Krankenhäusern oder beim Auskurieren in Hotelbetten verbracht und wir hatten unseren ersten Notfall-Werkstattbesuch. All das hat der fröhlichen Roadtrip-Laune einen Dämpfer verpasst und lässt sich bei einem Rückblick schlecht vergessen machen. Aber jetzt mal von vorne:

An unserem letzten Tag in Belize buchen wir eine Tour zu einer Maya-Höhle namens Actun Tunichil Muknal, kurz ATM. Da die Höhle sich teilweise unter dem Wasser befindet und man bereits in den Eingang rein schwimmen muss, ist die Besichtigung nur mit Guide erlaubt. Leider sind auch keine Kameras mehr erlaubt, da vor ein paar Jahren ein Tourist sein Objektiv auf ein seltenes Maya-Skelett fallen lassen hat. Deswegen müsst ihr euch mit einer schriftlichen Beschreibung dieses einmaligen Abenteuers zufrieden geben. Zusammen mit unserem Guide schwimmen und klettern wir knapp zwei Stunden durch den unterirdischen Fluss und über die riesigen Geröllsteine in der Höhle. Das einzige Licht stammt dabei von unseren Helmtaschenlampen. Nach einem Gentlemen’s Agreement, dass sich alle in der Gruppe durch jeden von unserem Guide vorgeschlagenen Spalt duchquetschen würden, durch den sein Rucksack passt, wird es erst richtig abenteuerlich. Da kann es auch vorkommen, dass wir bis zum Hals im Wasser stehen und den Kopf durch einen winzigen Spalt manövrieren müssen. Aber unser Guide ist sehr erfahren und lustig. Er kann uns viel über die Opferrituale der Maya an den Regengott, deren Überreste unberührt in der Höhle zu sehen sind, erzählen und schließlich zeigt er uns auch die berühmten Skelette, die höchstwahrscheinlich von Menschenopfern stammen. Wer Bilder zu diesem Ort sehen möchte, benutzt am besten die Google-Bildersuche mit dem Stichwort „Belize ATM“.

Nachdem wir uns gründlichst auf unsere nächsten Grenzüberquerung vorbereitet haben, machen wir uns am nächsten Tag auf nach Guatemala. Der Grenzvorgang verläuft wieder problemlos. Zuerst müssen wir als Personen ausreisen, dann das Auto ausreisen und dann in der selben Reihenfolge wieder in Guatemala einreisen. Die guatemaltekischen Grenzbeamten sind interessiert und quatschen fröhlich mit uns, wobei sie sogar auf die sonst übliche „inoffizielle Einreisegebühr“ verzichten. In Guatemala gibt es keine Versicherungspflicht für das Auto und es gibt auch keine Möglichkeit, an der Grenze eine Versicherung abzuschließen. Also fahren wir erst mal und schauen später, ob wir uns noch eine Versicherung zulegen.

Unser erstes Ziel in Guatemala ist Tikal, eine weitere Maya-Ruine mitten im Urwald. Wir übernachten direkt im Urwald auf einem kleinen Campingplatz, um am nächsten Morgen vor den Busladungen voller Touristen die Pyramiden zu besteigen. Die Ruinen in Tikal gefallen uns bisher mit am besten. Man kann zehn Minuten lang durch den Urwald spazieren und plötzlich wieder auf eine beeindruckende Pyramide stoßen. Und wenn man auf eine Pyramide raufklettert, sieht man zig weitere aus dem Urwald ragen. Wie auf den Fotos zu sehen ist, hat man außerdem einen wunderschönen Ausblick über den Urwald. Da noch nicht alles ausgegraben ist, könnte sich unter jedem der Hügel noch ein weiteres Bauwerk befinden. Seitdem sehen wir im ganzen Land Hügel, die wie Pyramiden aussehen, und fragen uns, ob schon mal jemand tief genug gegraben hat, um sich vom Gegenteil zu überzeugen.

Weiter geht es in Richtung Karibikküste, zu Guatemalas größtem See, dem Lago Izabal. In der Nähe von El Estor schauen wir uns heiße Wasserfälle an, die dampfend in kaltes Flusswasser fallen. Das Wasser riecht nach Schwefel und kommt heiß aus der Erde. So heiß, dass wir schnell wieder raushüpfen, als wir die Füße oberhalb des Wasserfalls in den Bach stecken wollen.

Um wieder in den Westen in die Berge zu gelangen, suchen wir uns eine Route aus, die an Semuc Champey (Kaskaden von Wasserfällen mit türkisen Pools) vorbei führt. Diese Route beinhaltet circa 120 km gebirgige Sandstraße. Abenteuerlustig machen wir uns auf den Weg: 120 km sind doch gar nicht so viel, denken wir, das werden wir schon irgendwie schaffen. Die Fahrt wird anstrengend und das Auto kommt so voll beladen an seine Grenzen. Wir müssen mehrmals anhalten, um uns und unserem überhitzten Motor eine Pause zu gönnen. 180 Grad-Serpentinen mit einer extremen Steigung sind auf einer Sandstraße in der Regenzeit wohl eher etwas für Fahrzeuge mit Vierradantrieb. Egal, die umwerfende Berglandschaft und die kleinen abgeschotteten Dörfer entschädigen für alle Strapazen! Abends suchen wir uns in einem wunderschönen Bergdorf eine Unterkunft, am nächsten Tag sollten wir nur noch circa zwei Stunden bis nach Semuc Champey brauchen. Leider kommt es anders als geplant. Nachts müssen wir feststellen, dass wir uns (wahrscheinlich) eine üble Lebensmittelvergiftung zugezogen haben. Leo hat es schlimmer erwischt als Fabi, aber wir trauen uns beide nicht mehr Auto zu fahren. Morgens suchen wir das örtliche Gesundheitszentrum auf, das leider samstags nur geringfügig besetzt ist und uns mit einem Rezept für Paracetamol wieder nach Hause schickt. Leider geht es uns von Stunde zu Stunde immer schlechter, sodass wir nachmittags Maßnahmen ergreifen müssen. Auf die Frage nach einem Krankenwagen werden wir an die „Policia Turistica“ weitergeleitet. Diese holt uns ab und fährt uns, teilweise mit Blaulicht, circa dreieinhalb Stunden der Sandstraße entlang bis zur nächsten Großstadt mit Krankenhaus. Cobán. Dort angekommen, verbringen wir erst mal eine Weile in der Notaufnahme am Tropf und werden untersucht. Nach ein paar Stunden geht es uns etwas besser und wir werden mit einigen Medikamenten „nach Hause“ geschickt. In der Nähe verbringen wir anschließend zwei Nächte in einem Hotel, bis wir wieder gestärkt genug sind, um es erneut mit der Holperstraße aufzunehmen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurück zu unserem Auto zu fahren.

Wieder zurück in Santa Maria de Cahabón, wo wir unser Auto stehen lassen mussten, stellen wir fest, dass um Semuc Champey massive Polizeipräsenz ist und irgendwas im Gange sein muss. Wir finden heraus, dass die Ureinwohner sich mit der Polizei um den Zugang und die Erhaltung von Semuc Champey streiten. Momentan ist ein Besuch wohl nicht zu empfehlen. Wir haben auch langsam genug von dieser Gegend (vor allem der Schotterpiste) und machen uns mit unserem Auto auf den Weg zurück in die Zivilisation. Auf den letzten zwei Stunden Sandstraße haben wir leider noch eine Panne. Durch einen starken Steinschlag hat unsere Ölwanne ein Loch, sodass Öl ausläuft. Ein Glück finden wir gleich im nächsten Dorf einen Mechaniker, der das Leck beheben kann und zudem noch ein Dieselleck, welches wir schon länger an der Einspritzpumpe haben, verklebt. Hier gibt es zwar keine Ersatzteile, aber die Mechaniker können dafür alles flicken. Hoffen wir, dass die Klebestellen noch ein paar Monate halten.

Wieder in der Zivilisation machen wir uns auf den Weg nach Guatemala City. Eigentlich wollten wir Großstädte vermeiden und durch diese Stadt nur durchfahren, aber da Leos Bauchschmerzen seit dem Krankenhausaufenthalt nicht nachlassen, suchen wir noch mal ein schickes privates Krankenhaus zum Durchchecken auf. Leider stellt die Ärztin eine leichte Entzündung der Bauchspeicheldrüse fest, vermutlich von den Medikamenten. Das bedeutet für uns zwei Nächte im Krankenhaus, teilweise mit Nulldiät für Leo. Zum Glück sind wir hier aber in besten Händen: Die Ärzte sprechen größtenteils Englisch, ansonsten helfen Dolmetscher weiter, die Zimmer sind groß und haben ein Extrabett für Fabi, alles ist sauber. Das Auto stellen wir auf einem bewachten Parkplatz vor der Tür ab. So haben wir auch Zeit und einen Fernseher, um unser erstes EM-Spiel zu sehen. Deutschland verliert leider, aber dafür müssen wir wenigstes keinen Fernseher fürs Endspiel suchen 😉

Nach so vielen unfreiwilligen Zwischenstopps geht es am nächsten Wochenende endlich wieder gesund und munter weiter. Aber ein paar Spuren hat unser Offroad-Abenteuer doch hinterlassen: Kleine kurvige Bergstraßen sehen wir nun mit anderen Augen und die Lust auf Straßenessen hat einen kleinen Dämpfer bekommen. Aber auch das gehört dazu und die Abenteuerlust wächst in der Zwischenzeit langsam wieder.

Wir fahren zum Lago de Atitlán, einem der schönsten Seen der Welt und anschließend nach Chichicastenango, wo wir übernachten und morgens inmitten eines der größten Märkte in Mittelamerika aufwachen. Das ganze Dorf hat sich über Nacht in einen riesigen Markt verwandelt, in dessen Gassen man sich richtig verirren kann. Wir bummeln durch das bunte Treiben und kaufen frisches Gemüse, denn in nächster Zeit werden wir ein bisschen mehr selbst kochen.

Nun sind wir wieder am Pazifik. Hier in El Paredón liegen wir in unseren Hängematten am vulkanisch-schwarzen Sandstrand und erholen uns. Zwei Nächte wollen wir hier bleiben, dann geht es über Antigua in Richtung unseres nächsten Abenteuers: Honduras.