Rekordzeiten in Honduras und Wir lieben Nicaragua!

Reisekilometer: 13.562

Hallo ihr Lieben,

viel ist passiert seit dem letzten Bericht und wir haben seitdem gleich zwei Länder durchquert, Honduras und Nicaragua. Während wir in Honduras letztlich nur auf der Durchreise waren, haben wir in Nicaragua vor allem viele Vulkane bestaunt.

Der Grenzübergang von Guatemala nach Honduras verläuft unproblematisch, aber ziemlich chaotisch, wie für mittelamerikanische Grenzübergänge typisch: Es gibt kaum Schilder oder Erläuterungen, wo man hin muss und welche Formulare auszufüllen sind, man irrt also von Schalter zu Schalter und fragt sich durch, bis man den Einreisestempel, eine temporäre Erlaubnis für das Fahrzeug und (für manche Länder) eine Kfz-Versicherung hat. In Honduras ist es irgendwie besonders chaotisch und eine Quittung für unsere Zahlungen gibt es nicht mal auf Nachfrage, aber am Ende haben wir all unsere Papiere.

Den Nachmittag haben wir Zeit für die Besichtigung der Maya-Ruinen von Copán. Wir dachten ja, wir hätten langsam alles gesehen, was die Maya-Welt so zu bieten hat, aber Copán überrascht uns noch einmal mit deutlich erkennbaren Hieroglyphen und gut erhaltenen Statuen. Außerdem kann man von Archäologen gebaute Tunnel begehen und so die unteren Schichten der Pyramiden betrachten. Die Maya haben nämlich oft mehrere Tempel übereinander gebaut, sodass eine Pyramide mehrere Schichten besitzt. Und schließlich bewundern wir die vielen bunten Aras, die hier auf dem Gelände leben und uns mindestens genauso gut gefallen wie die Ruinen.

Am nächsten Morgen entscheiden wir, heute so weit wie möglich durch Honduras durch zu fahren. Das Land ist zwar wirklich schön (und die Straßen richtig gut!), es ist jedoch auch besonders unsicher und das gefährlichste Land unserer Reise. Regelmäßig gibt es bewaffnete Raubüberfälle, wo sogar das Auto gestohlen wird („car jacking“), auch auf Touristen. Da unser Busle alle unsere Habseligkeiten enthält und unser zu Hause ist, gruselt uns die Vorstellung, unser Auto abgeben zu müssen, doch ganz schön. Außerdem sollten wir uns, um im Zeitplan zu bleiben, sowieso langsam nach Südamerika begeben. Wir fahren also möglichst schnell an San Pedro Sula (Platz 2 der gefährlichsten Städte der Welt) vorbei und weiter in Richtung der Hauptstadt – Tegucigalpa (Platz 6). Als wir schon die Vororte von Tegucigalpa erreicht haben und gerade im Stau stehen, signalisiert uns ein LKW-Fahrer, dass wir einen Platten haben. Mist, eigentlich wollten wir hier möglichst nicht anhalten. Auf einem kleinen Parkplatz am Rande der Straße fangen wir also an, den Reifen zu wechseln. Das geht mit Teamwork und etwas Adrenalin, weil wir ja vor der Dunkelheit unseren Schlafplatz erreichen wollen, in Rekordzeit. Wir kurbeln das Auto wieder runter und bereiten alles zur Weiterfahrt vor, doch auch das Reserverad ist komplett platt. Das hat wohl auf der Schotterpiste in Guatemala einen Stein zu viel abbekommen. Aber wir sind ja top ausgerüstet: Wir kramen Reserverad Nummer 2 hinter den Klamottenkisten hervor und beginnen das Spiel von vorne – diesmal mit Erfolg: Der Reifen taugt. Zwei Reifenwechsel in 25 Minuten, wir sind ein bisschen stolz. Ein bisschen mulmig ist uns, dass wir jetzt gar kein Reserverad mehr haben, aber die letzte Stunde bis zum Hotel verläuft zum Glück pannenlos. Wir parken und wollen das Hotel angucken, als wir ein Zischen vom Reifen vorne rechts hören. Das kann ja nicht sein, drei platte Reifen an einem Tag… Aber wieder einmal haben wir Glück im Unglück: Auf der anderen Straßenseite ist ein Reifenladen, der sowohl Reifen repariert (ja, sowas macht man hier), als auch gebrauchte Reifen verkauft. Innerhalb von 45 Minuten verdoppelt sich unsere Reifenanzahl also wieder und wir können am nächsten Morgen mit 6 Reifen Richtung Nicaragua starten.

In unseren ungefähr 48 Stunden Honduras haben wir leider nicht viel vom Land gesehen, aber was wir gesehen haben, hat uns gut gefallen. Schöne Landschaft, freundliche Leute, die uns winken und unser Auto cool finden, gute Straßen, moderne Städte und brenzlige Situationen hatten wir auch keine. Das Land hat auf jeden Fall noch eine Chance verdient, aber dieses Mal mit dem Auto, wo wir all unsere Sachen an einem Ort haben und bei einem Überfall einfach alles weg sein könnte, war es uns zu heikel, mehr vom Land zu erkunden. Nächstes Mal! 🙂

Die Grenze ist nervenaufreibend, wir stehen lange an, irren viel herum und die honduranischen Grenzbeamten mit ihren ewigen Mittags- und Kaffeepausen treiben uns in den Wahnsinn. Nach circa 5 Stunden können wir endlich nach Nicaragua fahren und sind erleichtert, aber der Tag ist gelaufen.

Nicaragua ist zwar das ärmste Land in Mittelamerika, aber trotzdem eines der sichersten Länder und die schöne Landschaft und vielfältigen, recht günstigen Aktivitäten gefallen uns sofort. Unsere erste Nacht verbringen wir am Somoto Canyon, wo wir am nächsten Tag auch eine kleine Wanderung zum Aussichtspunkt machen.

Dann machen wir uns auf den Weg nach León, von wo unsere Vulkanwanderung losgehen soll. Wir bewundern die nicaraguanischen Straßen: Perfekte Straßen, kein Schlagloch weit und breit, keine völlig sinnlosen Tempolimits. Nach einem verbotenen Überholmanöver hält uns doch glatt die Polizei an (huch, Verkehrsregeln sind wir gar nicht mehr gewohnt) – und schickt uns mit einer Verwarnung weiter, statt Schmiergeld einzufordern. Hier scheint es auf der Straße also etwas geordneter zuzugehen. Ungewohnt, aber wir sind ja lernfähig. Die Landschaft ist wunderschön, aber wir lernen auch gleich die Naturgewalten in Nicaragua kennen: Auf dem Weg erleben wir einen kleinen Sandsturm und als wir in León ankommen, regnet es so stark, dass sich die Straßen innerhalb von Minuten in richtige Sturzbäche verwandeln. Eine Stunde später ist aber wieder Friede, Freude, Sonnenschein und wir wandern durch León, um unsere Vulkanwanderung zu organisieren. Wir schlafen auf einer wunderschönen Ranch etwas außerhalb von León. Hier treffen wir weitere Overlander, nette Franzosen in unserem Alter, die mit ihrem Land Rover die Panamericana von Süden nach Norden fahren.

Nach einem Tag León-Sightseeing steht am nächsten Morgen unsere Zwei-Tages-Vulkanwanderung an. Wir sind beim Packen richtig aufgeregt, ein kleiner Urlaub im Urlaub ist das. Und wir haben uns auch gleich die spektakulärste Wanderung ausgesucht: Drei Vulkane, ein Kratersee und Vulkanboarden in zwei Tagen! Es geht los mit Vulkanboarden auf dem Cerro Negro: Man schleppt ein schlittenähnlich gestaltetes Holzbrett auf einen Vulkan hoch und rodelt dann den steilen Hang wieder runter. Das Rodeln ist auch ganz cool, aber besser sind eigentlich die umwerfende Aussicht und die dampfende Erde am Krater. Dann schultern wir unsere schweren Wanderrucksäcke (Zelt, Schlafsack, Essen, 8 Liter Wasser pro Person, Klamotten) und besteigen den nächsten Vulkan, den El Hoyo. Die erste Stunde ist ein Kampf, weil es steil bergauf geht, später werden wir dafür mit einem atemberaubenden Ausblick, einem Sonnenuntergang auf dem Gipfel, Marshmallows über dem Lagerfeuer sowie Vollmond und Sternenhimmel belohnt. Wir können uns nicht satt sehen an der von Vulkanen und Seen durchzogenen Landschaft, es ist einfach wunderwunderschön. Der nächste Tag beginnt dann mit einem schönen Sonnenaufgang und Frühstück, bevor es auf die lange Wanderung ins Tal und hinüber zum dritten Vulkan, dem Asososca, und seinem Kratersee geht. Wir sind völlig KO, aber glücklich, als wir am zweiten Tag die Straße erreichen, von wo aus wir mit dem Chicken Bus nach León zurückfahren. Chicken Busses gibt es in ganz Mittelamerika, umgebaute, bunt bemalte, ehemalige amerikanische Schulbusse, in die viel zu viele Leute und Gepäck gequetscht werden. Abends schaffen wir es sogar noch, uns aufzuraffen, um mit unseren Mitwanderern in eine Salsa-Bar zu gehen. Wir tanzen ein wenig Freestyle, aber unsere Füße sind ganz schön platt und eigentlich macht es vor allem Spaß, die vielen guten Salsa-Tänzer zu beobachten.

In León beschließen wir auch, dass wir dringend mal einen Friseur aufsuchen müssen. Nach zwei Erfahrungen scheint ein Friseurbesuch in Nicaragua ungefähr so zu laufen: Man sagt „etwas kürzer“, weitere Erläuterungen werden nur halbherzig aufgenommen und der Friseur macht dann einfach, was er eben gerade für cool oder schön hält und schneidet dabei viel mehr ab als abgesprochen. Jetzt sind unsere Haare wirklich kurz 🙂 Aber dafür kostet der Spaß keine 3 €, bei Fabi sogar nur 1,60 €.

Nach unserem Aufenthalt in León verbringen wir noch zwei Nächte in der Nähe von Granada. Den einen Abend machen wir eine Nachttour zum Vulkan Masaya. Es mag einem erst ein bisschen seltsam vorkommen, wie viele Autos hier stundenlang Schlange stehen, um zum Kraterrand zu fahren und einen Blick in den Krater zu werfen. Und das nur für 15 Minuten, da die Aufenthaltszeit limitiert ist. Der Grund für den Hype: Hier kann man flüssige Lava sehen, die im Krater wabert und brodelt. Bei Nacht sieht man das besonders gut und der Vulkan verbreitet eine riesige rot leuchtende Dampfwolke. Wir sind total fasziniert!

Doch nach diesem Highlight heißt es Abschied nehmen von Nicaragua und seinen unzähligen Vulkanen und der tollen Landschaft. Denn es geht weiter nach Costa Rica und dann bald Panama. Die Verschiffung von Panama nach Kolumbien rückt immer näher… Wir sind bereits am Einholen von Angeboten, vergleichen die Speditionen und tauschen uns mit anderen Reisenden aus. Bis diese große Unbekannte gelöst ist, werden wir wohl noch ein wenig nervös sein, aber wir hoffen sehr, dass wir einen guten Weg finden, um bald mit unserem Busle Südamerika zu entdecken!

Liebe Grüße und bis bald,

Leo und Fabi