Pura Vida Costa Rica und Oh wie schön ist Panama Teil I

Hallo ihr Lieben,

es scheint sich so einzupendeln, dass wir immer gleich über zwei Länder berichten können bei unserem gesteigerten Tempo in Mittelamerika 😉

Die Grenze von Nicaragua nach Costa Rica läuft entgegen aller möglichen Horrorgeschichten bei uns total entspannt: Wir müssen weder lange warten noch lange Prozeduren über uns ergehen lassen. Das einzige Problem ist eigentlich, dass die Grenze so unübersichtlich und schlecht ausgeschildert ist, dass wir uns überallhin durchfragen müssen und unnötigerweise das Auto desinfizieren lassen, obwohl das wohl nicht nötig ist. Direkt hinter der Grenze haben wir uns einen schönen Schlafplatz herausgesucht und haben keine lange Fahrzeit mehr. In Costa Rica und Panama gibt es, viel mehr als bisher, richtige Overlander-Treffpunkte: Schlafplätze, wo außer uns noch viele andere Overlander ( = meist mit dem eigenen Auto über Land Reisende) Halt machen. Die meisten der Orte werden von Schweizer Auswanderern betrieben und es tummeln sich andere deutschsprachige Reisende. Das hatten wir bisher wirklich noch gar nicht und so freuen wir uns über den Austausch mit Hartmut, Christiane und Birger. Wir wettern über die costaricanischen Preise (die europäisch sind), rätseln über brauchbare Verschiffungsmethoden nach Südamerika und erzählen wilde Roadtrip-Geschichten.

Am nächsten Tag starten wir dann in unsere kurze, aber intensive Zeit in Costa Rica. Wir haben im Vorhinein beschlossen, Costa Rica aufgrund der Tatsache, dass es ein wirklich teures Reiseland ist, nur sehr kurz zu bereisen. Dafür nehmen wir dann aber alle „typischen“ Highlights mit. Costa Rica ist das Land der abenteuerlichen Outdoor-Aktivitäten, sein Motto ist „Pura Vida“, „das pure Leben“. Wir sind drei Tage in den Bergen in Monteverde, wo es noch ursprünglichen Nebelwald (auf Englisch: cloudforest) zu bestaunen gibt. Und der hat seinen Namen nicht umsonst: Schon bei der Hinfahrt sind wir fasziniert von den Wolken, die in den Bergen über dem Wald hängen und ihn mystisch aussehen lassen. Außerdem kann man von den Bergen aus den Pazifik sehen, das ist schon eine ziemlich gute Aussicht. Das Pflichtprogramm in Monteverde ist aber nicht etwa eine Wanderung durch den Nebelwald (die wir aber auch gemacht haben), sondern Ziplinen. Eine Zipline ist eine Seilrutsche. Man ist mit einer Art Klettergeschirr an einem Drahtseil befestigt, das leicht schräg aufgehängt ist, sodass man durch oder über den Nebelwald rast. Die ersten Seile sind einfach nur cool, man fliegt durch den Wald. Dann geht es zu den langen Seilen und hier wird es langsam aufregender, weil die Seile quer über ein Tal gespannt sind und ganz schön hoch sind. Danach folgt das Superman-Seil, wo man nur am Rücken befestigt wird und freihändig fliegt. Ziemlich cool, aber auch ziemlich abenteuerlich, wenn das Seil 2 km lang und ca. 80 m hoch ist. Der richtige Adrenalinschub folgt aber am Schluss: Auf der Tarzanschaukel stürzen wir uns 45 m in die Tiefe, davon 40 m freier Fall, bevor man am Seil noch ein bisschen hin- und herschwingt. Das macht wacklige Knie. Aber auch eine gute Geschichte, die wir abends mit Tine und Konze teilen können, die wir hier in Monteverde getroffen haben und mit denen wir abends kochen, den Sonnenuntergang anschauen und Bier trinken. Die nächsten Tage in Monteverde gehen wir etwas ruhiger an und wandern durch den Nebelwald.

Danach fahren wir auf einen Tipp von Tine und Konze hin nach Turrialba und machen einen Rafting-Ausflug auf dem Pacuare-Fluss. In einem Schlauchboot mit fünf anderen Paddlern trotzen wir den ganzen Tag den Stromschnellen des Flusses und schwimmen durch eine von Dschungel umgebene Schlucht. Wir bleiben auch „nur“ zweimal auf einem Stein hängen 😉 Nachdem wir noch einmal bei Schweizer Auswanderern geschlafen haben, lassen wir Costa Rica und das teure Pura Vida hinter uns.

Auch die Grenze nach Panama – ebenfalls berühmt-berüchtigt für lange Wartezeiten – verläuft problemlos, sie ist sogar unsere schnellste Grenze bisher. Und das, obwohl die Dame vom Zoll ganze fünf Anläufe braucht, um unsere Fahrgestellnummer korrekt zu erfassen.

In Panama staunen wir nicht schlecht über die Straßen und das Stadtbild: Nicht nur die Panamericana, sondern auch einige Nebenstraßen sind vierspurige Landstraßen, auf denen man 100 km/h fahren darf und kann. Keine Schlaglöcher weit und breit, kein Müll auf der Straße, sogar eine Müllabfuhr, kleine gepflegte Häuser wie in amerikanischen Vororten. Irgendwie haben wir das Gefühl, nicht mehr in Mittelamerika zu sein, eher in den USA. Auch die amerikanischen Ketten gibt es hier überall – viel mehr als in den Nachbarländern. Vielleicht liegt es nur daran, dass wir nach Boquete im Chirriqui-Hochland fahren, überlegen wir. Das ist nämlich jetzt das Rentnerparadies Nr. 1, nachdem es von irgendeinem amerikanischen Magazin zum besten Ort für den Ruhestand gekürt wurde. Viel günstiger als in Costa Rica ist es hier auch nicht, aber immerhin bekommt man dafür einen hohen Lebensstandard geboten. In Boquete treffen wir Daria und Chris aus Österreich, die gerade 9 Wochen im Mietwagen Panama, Costa Rica und Nicaragua erkunden. Wir freuen uns wieder über Gesellschaft beim Wandern und Stadtbummel, tatkräftige Hilfe bei kleineren Autoreparaturen und einen gemeinsamen Grillabend mit Burgern. Noch eine Kaffeetour, ein Sprung in die heißen Quellen und kalten Flüsse bei Caldera und ein abendlicher Abstecher zum Pazifikstrand, dann gewinnt die Nervosität wegen der bevorstehenden Verschiffung die Oberhand und wir fahren nach Panama City, um dieses Kapitel anzugehen.

Auch Panama City haut uns wieder um: Es ist eine Megastadt, modern und mit einer gigantischen Skyline voller Hochhäuser, direkt am Panamakanal, wo ein großer Pott nach dem anderen vorbeifährt und zahlreiche Schiffe auf die Durchfahrt warten. Zum Schlafen mit dem Auto sind das nicht die besten Voraussetzungen, aber um hier einige Zeit festzuhängen und die Verschiffung zu organisieren ist es eine willkommene Abwechslung.

In einem langen Tag Herumfahren und Herumfragen in Panama City finden wir eine machbare Option zur Verschiffung unseres Busles und buchen sofort: Wir werden RoRo ( = Roll on, Roll off, man gibt den Schlüssel ab und das Auto wird auf ein spezielles Boot gefahren) nach Santa Marta in Kolumbien verschiffen. Das dauert mit zwei Wochen zwar recht lang, was umso absurder ist, weil die Fahrtzeit nur ein Tag ist, aber ist günstig und der Kontakt mit der Spedition ist sehr nett und zuverlässig. Außerdem haben wir nicht so viele Möglichkeiten: In einen Container passen wir aufgrund des Hochdachs nicht (bzw. keiner kann es uns 100 % sagen und die Angaben variieren um die entscheidenden 10 cm), die schnelleren RoRo-Schiffe nach Ecuador fahren erst im September wieder und LoLo ( = Lift on, Lift off, man wird auf eine Plattform gehoben) ist teuer und genauso unsicher wie RoRo. Wir sind froh, dass es überhaupt eine Möglichkeit gibt, die für uns in Frage kommt, und dass wir das Kapitel Südamerika-Verschiffung nun endlich hinter uns bringen. Damit klären sich auch viele andere offene Punkte in unserer Reiseroute.

Die nächsten Tage sind wir also mit Formalitäten beschäftigt und verladen das Auto seefest. Damit der Innenraum gesichert ist, schrauben wir einen Metallzaun aus dem Baumarkt zwischen Fahrerkabine und Innenraum und verriegeln die Schiebetür von innen. Als nächstes folgt eine Inspektion bei der örtlichen Polizei, die Fahrgestell- und Motornummer angeblich mit Interpol abgleicht, um gestohlene Fahrzeuge ausfindig zu machen. Bei uns guckt er die Nummern nicht einmal an… Des Weiteren brauchen wir viele Kopien von Dokumenten, viele Formulare und viele Stempel. Schließlich fahren wir das Auto in den Hafen in Manzanilla (in der Nähe von Colón), sammeln weitere Stempel und übergeben die Schlüssel den Hafenmitarbeitern. Unsere erste Fahrt ohne unser Auto legen wir ganz bequem im Zug zurück und fahren mit der Panama Canal Railway am Panamakanal entlang zurück nach Panama City. Hier haben wir noch ein paar Tage ein Airbnb gebucht, bis am Sonntag unser 5-tägiger Segeltörn von Panama über die San Blas-Inseln nach Kolumbien losgeht.

Am 25. August kommt unser Auto dann erst in Santa Marta an, sodass wir noch ca. eine Woche in Kolumbien ohne unser mobiles zu Hause auskommen müssen. Aber für die Zeit schmieden wir schon ein paar Pläne, um den Norden Kolumbiens zu erkunden. Sobald wir unseren Bus wiederhaben, geht es dann flott nach Ecuador und Peru für den September, um den Oktober lang Zeit für die Überfahrt nach Montevideo, Uruguay zu haben und dabei noch etwas von Bolivien und Argentinien zu sehen.

Last but not least eine erfreuliche Nachricht vor allem für die Berliner: Den Rückflug konnten wir jetzt auch buchen, kurz vor knapp vor Leos Referendariatsbeginn werden wir am 31.10. abends in Berlin landen und dann habt ihr uns wieder! 🙂

Liebe Grüße aus Panama City und bis bald,

Leo und Fabi