Oh wie schön ist Panama Teil 2 und Autolos in Kolumbien

Reisekilometer: 16.066

Wir haben drei Wochen ohne unser Auto hinter uns, während das Busle verschifft wurde. Der Bus ist nämlich mit dem Schiff von Panama über Mexiko und Jamaika nach Kolumbien gereist. Das klingt zwar nach keiner besonders sinnvollen Route, war aber die günstigste Lösung. Das Reisen mit dem Rucksack ist zwar anstrengender und teurer und wir haben unser festes zu Hause vermisst, trotzdem ist es auch mal eine angenehme Abwechslung für uns, da wir so viele nette Leute kennengelernt haben.

Nachdem wir viel Papierkram erledigt haben und das Auto im Hafen abgegeben haben, verbringen wir noch drei Tage in einem hübschen Airbnb-Zimmer in Panama City. Anschließend reisen wir nach Puerto Lindo, um unseren Segeltörn über die San Blas-Inseln nach Kolumbien zu beginnen. Am Treffpunkt angekommen stellen wir erfreut fest, dass wir acht sehr nette Mitfahrer haben, mit denen wir uns von Anfang an gut verstehen und viel Spaß haben. Alle Mitreisenden sind Langzeitreisende, unter zwei Monaten macht hier keiner Urlaub. Da sind wir also in guter Gesellschaft. Einer unter ihnen ist ebenfalls ein Overlander, Adam ist sogar auch in Baltimore gestartet, so ziemlich unsere Route gefahren und verschifft ebenfalls gerade nach Kolumbien. Er hat vor, innerhalb der nächsten 10 Jahre alle Länder der Welt zu besichtigen, ziemlich beeindruckend. Mit etwas Wein, Bier und karibischem Rum haben wir viel Spaß am ersten Tag, bevor uns Captain Mike über Nacht zu den San Blas-Inseln fährt. Wir wachen im Paradies auf, um uns herum ist türkises Wasser, man kann überall den Grund sehen und nicht weit vom Boot sind kleine Inseln mit traumhaften Sandstränden und Palmen zu sehen. Offiziell gehören die San Blas-Inseln zu Panama, aber sie werden teilweise selbständig verwaltet und es gelten Sonderregeln zu ihrem Schutz. Sie dürfen nur von Einheimischen des Kuna-Stamms bewohnt werden, Hotels sind verboten, Touristen dürfen nur vorübergehend zu Besuch kommen. So bleibt hier ein wahres Paradies erhalten.

Wir verbringen drei traumhafte Tage in diesem Paradies mit Baden, Schnorcheln, Quatschen, Feiern und wahnsinnig gutem Essen. Unser Captain war nämlich in seiner vorherigen Karriere Koch, sodass es an einem Tag Steak vom Lagerfeuer gibt und am nächsten geräucherten Hummer frisch aus dem Meer.

Dann geht es an die Überfahrt nach Kolumbien. Die Fahrt über das offene Meer dauert circa 40 Stunden und wir nehmen sicherheitshalber Mittel gegen Seekrankheit. So richtig wohl im Magen ist uns aber trotzdem nicht. Am zweiten Tag sind wir sehr froh, das Festland in Cartagena zu betreten. Auf die vielen netten Leute vom Schiff müssen wir deshalb noch nicht verzichten, gemeinsam ziehen wir in ein Hostel in der Altstadt ein, wo wir noch zwei weitere Tage zusammen verbringen. Es tut gut, mal eine ganze Woche lang die gleichen Menschen um sich herum zu haben.

Nach zwei Tagen brechen wir, zusammen mit Stephi und Annika, die wir auch auf dem Segeltörn kennengelernt haben, nach Santa Marta auf. Hier soll in nur einer Woche unser Auto ankommen. Außerdem starten von hier die Trekkingtouren zur „Ciudad Perdida“ (Lost City/verlorene Stadt) und mit einer solchen Wanderung wollen wir uns die Zeit bis zur Ankunft des Autos vertreiben. Die verlorene Stadt befindet sich hoch in den Bergen, mitten im Dschungel. Sie wurde von Ureinwohnern (wahrscheinlich Azteken) um 600 n.Chr. gegründet. Hier wurde viel Gold und Kupfer zu kunstvollen Statuen und Schmuck verarbeitet. Diese Reichtümer wurden mit den Eigentümern zusammen unter den Häusern begraben und befinden sich zum großen Teil noch vor Ort. Ein Teil wurde von Grabräubern erbeutet, andere Statuen wurden in Museen untergebracht, als die Stadt schließlich wiederentdeckt wurde und mit ihrer Ausgrabung begonnen wurde. Trotzdem sind nur circa 30 Prozent der Stadt ausgegraben, da die Ureinwohner die Ausgrabungen gestoppt haben. Sie glauben nämlich an das ewige Leben der Seelen ihrer Vorfahren und die Ausstellung der Statuen in Museen ist für sie so, als würde man die Seelen in ein Gefängnis einsperren.

Wir verbringen vier Tage auf dieser Wanderung, um die Ciudad Perdida zu bewundern. Übernachtet wird mitten im Dschungel unter Wellblechhütten in Hängematten. Dies ist ein einmaliges Erlebnis und eine gute Vorbereitung für die Wanderung zum Macchu Picchu in Peru, die wir uns fest vorgenommen haben. Außerdem lernen wir wieder viele nette Menschen kennen in unserer recht großen Wandergruppe.

Zurück in Santa Marta kümmern wir uns wieder um unser Auto. Leider haben wir dieses Mal keinen Agent und auch keine Beschreibungen über den Vorgang. Also müssen wir uns durchfragen. Das Prozedere ist der helle Wahnsinn. Den gesamten Freitag verbringen wir in verschiedenen Büros von Autoversicherungen, beim Zoll und bei der Hafenverwaltung. Wir schreiben Anträge (auf Spanisch), lassen Kopien beglaubigen, fahren mit dem Taxi circa 10 Mal quer durch die Stadt und werden von einer Person zur nächsten geschickt. Dort beginnt das Spiel wieder von vorne und es werden noch mehr Dokumente benötigt, die wir nicht parat haben. Zwischendurch gibt es noch geschlagene drei Stunden Stromausfall, in denen wir weder drucken noch kopieren noch Anträge schreiben können und alles still steht. Abends, kurz bevor der Hafen schließt, haben wir dann trotzdem eine Genehmigung, den Hafen zu betreten, und eine Genehmigung, ihn wieder mit dem Auto zu verlassen, in den Händen. Und einen Termin für eine Inspektion am folgenden Morgen. Das klingt vielversprechend, aber der Wahnsinn geht weiter, als Fabi mit dem Inspektor den Hafen betreten will. Das geht nämlich nur mit Helm und Stiefeln. Einen Helm haben wir nun aber im Urlaub nicht dabei und der Hafen verleiht auch keine. Ein Glück können wir einen Zollbeamten überreden, uns seinen Helm zu leihen. Fabis Wanderschuhe holen wir schnell von unserer Unterkunft. Dann darf Fabi den Hafen endlich betreten. Erleichtert stellen wir fest, dass das Auto tatsächlich im Hafen steht und unversehrt ist. Zwar hat es irgendjemand in den Innenraum geschafft und das Drahtgitter ist stark verbogen, aber es ist nichts demoliert und nichts gestohlen. Wir haben also Glück gehabt. Der Inspektor interessiert sich weniger für das Innere des Autos als wir. Ihm sind die Schränke viel zu voll, um sie zu inspizieren, deswegen fragt er nur kurz, ob wir Waffen dabei haben, und macht ein Foto vom Nummernschild. Dann geht es zurück ins Büro, wo wir das Formular circa 8 Mal unterschreiben müssen. Leider haben wir unsere Einfuhrgenehmigung damit doch noch nicht in den Händen, denn auch die Chefin muss das Formular noch unterschreiben und sie arbeitet erst am Montag wieder. So haben wir also noch den Rest des Wochenendes in Santa Marta.

Den Sonntag verbringen wir mit einem Tauchausflug in Taganga, wo Stephi und Annika gerade ihren Tauchschein machen. Wir haben zwei schöne Tauchgänge und einen entspannten Sonntag.

Am Montag stellt sich heraus, dass es nicht so leicht ist, eine Unterschrift der Chefin zu ergattern. Die lässt nämlich auf sich warten, im wahrsten Sinne des Wortes. Geschlagene 5 Stunden sitzen wir im Warteraum beim Zoll, bis sie um 15 Uhr schließlich zur Arbeit kommt. Da unsere Genehmigung, das Auto aus dem Hafen zu holen, in der Zwischenzeit abgelaufen ist, müssen wir diese nun neu beantragen und 5 USD mehr Hafengebühr bezahlen. Aber dann geht es endlich an die Abholung und nach einer weiteren Stunde Papierkram fährt Fabi das Auto endlich aus dem Hafen. Jetzt fehlt nur noch eins: Die obligatorische Autoversicherung. Da hatten wir bisher kein Glück, sondern wurden immer weiter geschickt, weil keine Gesellschaft ein ausländisches Auto versichern konnte (wollte?). Doch am Dienstag haben wir plötzlich Glück und um 11 Uhr geht es dann endlich los Richtung Süden.

So haben wir unser Busle nun endlich wieder und sind wieder „on the road“. Bisher geht es hier eher langsam voran, weil es viele einspurige Bergstraßen voller langsamer Lkw gibt, aber wir sind glücklich, wieder im Auto zu sitzen, auch wenn es acht Stunden am Tag sind 🙂

Viele Grüße aus Medellin!

Leo und Fabi

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