Wunderschönes Kolumbien oder: Viele Gründe für eine Rückkehr

Nachdem wir genug Zeit in Santa Marta mit Papierkram verplempert haben, geht es mit dem Auto schnurstracks Richtung Süden. Unser nächstes Ziel heißt Medellín. Doch die Straßen in Kolumbiens Norden vereiteln ein schnelles Vorankommen: Zu viele Kurven, zu viele Lkws und eine einspurige Straße mit Baustellen. Zwischendurch haut uns noch mal eine Lebensmittelvergiftung um, die aber zum Glück bald durchgestanden ist.

Zwei lange Tagestouren brauchen wir so bis Medellín. Spät abends (für hiesige Lichtverhältnisse, 19 Uhr) kommen wir in Medellín an und staunen nicht schlecht über dessen Geografie: Das Zentrum liegt in einem Talkessel, doch die Ausläufer der Stadt ziehen sich weit die Berge hoch. Im Dunkeln glitzern die Lichter der Stadt überall um uns herum. Auch unser Campingplatz ist in den Bergen, ganze 1000 Höhenmeter über dem Stadtzentrum, zum Glück auf einer guten Straße. Am nächsten Tag machen wir uns auf, die Stadt zu erkunden. Mit der Seilbahn gleiten wir über die Außenbezirke hinweg und in die Stadt hinunter, dann mit der Metro ins Zentrum. Trotz des vorbildlichen Verkehrssystems kommen wir viel zu spät zu der kostenlosen Stadtführung, für die wir uns für den Nachmittag angemeldet haben, da uns eine Dame auf der Suche nach der Seilbahn in die Pampa schickt. Zum Glück dürfen wir trotzdem noch mitkommen und lernen viel über die Geschichte und das Leben in Medellín. Manche von euch grübeln vielleicht schon, was wir Verrückten in der Gangsterhochburg verloren haben. Tatsächlich hat Medellín sich jedoch in den letzten Jahren stark gewandelt. Wir laufen mit unserem Guide über Plätze, die man in den 80ern und 90ern selbst als Kolumbianer nicht hätte betreten können, und schauen uns Gebäude an, die als Hauptsitz von Pablo Escobars Drogenkartells genutzt wurden. Heute sind diese Plätze Orte öffentlichen Lebens. Medellín hat dank eines neuen Sicherheitskonzepts plus einer Bildungsinitiative und einem innovativen Verkehrssystem, das auch die armen Stadtteile an den Berghängen über Seilbahnen und Rolltreppen an die Stadt anbindet, den Wandel zu einer lebensfrohen Metropole geschafft. Noch immer sind nicht alle Stadtviertel sicher, aber im Stadtzentrum kann man sich heute frei bewegen und auch in den Außenbezirken verbessert sich die Sicherheitslage stark. Sein Ruf als Gangsterstadt hängt Medellín aber immer noch nach und die Touristen kommen nur langsam. Deswegen werden sie aber umso enthusiastischer begrüßt: In keiner anderen Stadt auf unserer Reise wurden wir so oft und so herzlich willkommen geheißen. Das kann man sowieso über ganz Kolumbien sagen. Das Autofahren macht schon deswegen großen Spaß, weil gefühlt jedes zehnte Auto hupt (hier ein freundliches Hallo) und den Daumen aus dem Fenster reckt, wenn es uns überholt. Die Polizei- und Militärkontrollen interessieren sich auch weitaus mehr für unsere Reisepläne und die Frage, welches unsere Lieblings-Fußballmannschaft ist, als für unsere Dokumente.

Leider müssen wir bald weiter und so verlassen wir diese inspirierende Stadt schon nach nur einem Tag.

Doch wir können nicht lange traurig sein: Unser nächster Zwischenstopp auf dem Weg nach Cali ist in Kolumbiens Kaffeeanbauregion, wo wir auf einer traumhaften Kaffeefarm übernachten und über die Kaffee-Autobahn fahren.

In Cali besuchen wir schließlich entfernte Verwandte. Obwohl wir uns davor noch nie begegnet sind, werden wir herzlich in ihr Haus aufgenommen und wir dürfen die kolumbianische Gastfreundschaft kennenlernen. Noch am Abend unserer Ankunft werden wir zum Essen ausgeführt und machen eine Stadtrundfahrt durch Cali. Am nächsten Tag, einem Sonntag, nehmen sich Rodrigo und seine Frau Olga den ganzen Tag Zeit, um mit uns einen Ausflug in Calis Umgebung zu unternehmen, zu einem Aussichtspunkt zu fahren und die Seilbahn in Cali zu testen, bevor wir abends wieder lecker essen gehen. Rodrigo, Olga und ihre Tocher Paula sind zudem total nett und wir unterhalten uns gut in einem Mix aus Spanisch und Deutsch. Was für eine wunderbare Begegnung. Wir sind etwas traurig, dass wir nur wenig Zeit im Gepäck haben. Wir werden bestimmt irgendwann wiederkommen und uns Zeit nehmen für dieses tolle Land mit seinen wunderbaren Menschen, das steht fest. Doch dieses Mal geht es schnell weiter in den Süden, an die Grenze zu Ecuador.

Im Süden Kolumbiens haben wir schließlich unsere erste richtige Begegnung mit den Anden. Plötzlich türmt sich die Gebirgskette vor uns auf, die Wolken hängen in den Gipfeln, die Landschaft wird schlagartig karger. Bei dem Anblick wird unsere Vorahnung Gewissheit: Die Anden werden uns und unser Busle herausfordern, es wird kalt, es wird rau, es wird abgeschieden. Aber wer es mit ihnen aufnimmt, wird mit unglaublichen Landschaften belohnt werden. Wir könnten nicht bereiter sein für diese Herausforderung und auch unser Bus schlägt sich wacker in den Höhen. Wir sind glücklich, dass wir es bis Südamerika geschafft haben, denn uns ist nun klar, dass es noch mal eine ganz andere Welt als Zentralamerika ist. Auch wenn wir nur noch knappe zwei Monate für einen sehr langen Weg haben, hat sich allein diese Erfahrung gelohnt. Die nächsten Wochen werden bestimmt mehr Roadtrip als Erholungsurlaub, aber wir werden drei wunderschöne Länder von Nord nach Süd durchkreuzen und einen Einblick in zwei weitere gewinnen. Die Angst, im Vorbeifahren etwas zu verpassen, haben wir auf dieser Reise schon lange abgelegt. Wir sammeln nur Gründe, zurückzukommen. In diesem Sinne: Auf ins Abenteuer!

Liebe Grüße und bis bald,
Leo und Fabi