In den Anden oder: Neue Rekorde in Ecuador und Landschaftsextreme in Peru

Reisekilometer: 21.155

Hallo ihr Lieben,

endlich gibt es mal wieder einen Bericht von uns. So viel ist passiert, zwei Länder haben wir durchquert, so viel schöne Landschaften gesehen, so viele Bekanntschaften gemacht. Deswegen gibt es dieses Mal etwas mehr Text und viel mehr Bilder, wir hoffen, ihr habt Durchhaltevermögen 😉

Ecuador ist für uns das Land der neuen Rekorde: Wir fahren das erste Mal mit dem Auto über 4000 m, wandern das erste Mal auf circa 3900 m, schlafen das erste Mal bei 5 Grad Außentemperatur, bestreiten das erste Mal 6000 Höhenmeter (2000 m hoch, 4000 m runter) an einem Tag, tanken das Auto das erste Mal für unter 10 Euro voll (1,07 $ pro Gallone), essen das erste Mal Ameisen und shoppen für die Temperaturen erstmal Alpaka-Pullis. Ganz schön spannend also.

Die Einreise ist erst mal total entspannt, im Vergleich zu Mittelamerika läuft es hier viel organisierter ab. In einer Stunde über die Grenze ist auch ganz schön rekordverdächtig.

Auf unserem ersten Campingplatz kommen wir dann mit einem Platten an, der fünfte auf unserer Reise. So ist das wohl, wenn man mit alten Reifen losfährt. Aber kein Problem, der Reifen ist für 3 $ an der Ecke repariert. US-Dollar ist übrigens die Währung in Ecuador und im Gegensatz zu Panama haben sich die Ecuadorianer nicht mal die Mühe gemacht, ihr einen eigenen Namen zu geben. Immerhin gibt es eigene Münzen. Der Campingplatz ist mal wieder ein richtiger Overlander-Treffpunkt, vor allem für deutsche Reisende, und so verbringen wir den Abend gemeinsam am Lagerfeuer und tauschen uns über bisherige Erlebnisse aus.

Am nächsten Tag brechen wir in Richtung Südosten auf, wo wir eine zweitägige Tour im Amazonas-Regenwald machen wollen. Morgens gehen wir in Otavalo auf dem Indio-Markt Souvenirs shoppen, dann überqueren wir den Äquator und fahren über bis zu 4000m hohe Pässe über die Anden bis nach Puerto Misahuallí. Und das ganz ohne Höhenkrankheit. Das Auto verliert in der Höhe natürlich an Leistung, aber im zweiten Gang kommen wir bisher jeden Berg hoch.

Die Tour im Regenwald macht uns großen Spaß, wir gehen wandern, besuchen eine Ananas-Farm und eine Yucca-Plantage, gehen fischen und stellen bei der Familie unseres Guides Schokolade selbst her. Bei einer Wanderung querfeldein durch den Regenwald schaukeln wir auf Lianen, essen Ameisen, die nach Zitrone schmecken, und Termiten, die eher herzhaft nach Mohrrübe schmecken.

Anschließend fahren wir zurück in das Hochland Ecuadors, um eine Wanderung um den Quilotoa-Kratersee zu machen. Hier sehen wir zum ersten Mal auf unserer Reise Alpakas. Die Nacht dort oben, ebenfalls auf fast 4000m, ist eisig kalt. Wir decken uns auf dem lokalen Markt erst mal mit Mützen und Alpaka-Pullis ein, damit lassen sich sogar 5 Grad aushalten. Die Wanderung am folgenden Tag ist wunderschön. Wir trotzen dem eisigen Wind und klettern auf dem Kraterrand um die Lagune, die je nach Sonneneinstrahlung in verschiedenen Grüntönen schimmert. Leider zeigt sich die Sonne nicht ganz, sodass wir sie nicht in dem knalligen Türkis zu sehen kriegen, für das sie berühmt ist. Ein bisschen knapp ist die Luft auf 3900 m, aber wir sehen es sportlich als Höhentraining für die geplante Wanderung zum Machu Picchu in Peru.

Durchgefroren fahren wir nach der Wanderung mit voll aufgedrehter Heizung weiter in Richtung Süden. In Banos bei Cuenca gönnen wir uns einen Tag Erholung in den Thermalquellen. Hier kann man in Warmwasser und Schlamm aus heißen, natürlichen Vulkanquellen baden und in türkischen Dampfbädern vor sich hin schwitzen. Anschließend fahren wir weiter Richtung Peru. Auf dem Weg schauen wir uns in Puyango noch einen versteinerten Wald an, der durch Lava und Vulkanasche entstanden ist.

An der Grenze zu Peru haben wir leider Pech. Bei der Immigration sind ewige Schlangen, weil Ecuador wohl ein neues Computersystem testet. Vier Stunden vertrödeln wir hier und bis wir endlich aus- und eingereist sind, ist es leider schon dunkel. Zum Glück haben wir es nicht mehr weit bis zu einem netten Campingplatz, wo wir direkt am Strand unter Palmen parken können.

Die nächsten Tage fahren wir immer in Richtung Süden Richtung Cusco, wo unsere Wanderung zum Machu Picchu startet. Was auf der Karte wie eine Küstenstraße aussah, entpuppt sich als eine Autobahn durch die Wüste. Wir wussten gar nicht, dass Perus Küste größtenteils aus Sandwüste besteht, einem Ausläufer der Atacama-Wüste. Da kommen wir Wüstenfans ja ganz auf unsere Kosten. Besonders faszinierend sind die Stellen, wo die Wüste direkt ans Meer grenzt und man den Strand sehen kann. Erstaunlicherweise wird hier mitten in der Wüste viel Landwirtschaft betrieben. Das Wasser wird aus den Anden in die Wüste umgeleitet und so wird hier unter anderem Spargel und Raps angebaut. Da kommt also der Raps für den Bio-Diesel her. In Peru gibt es nämlich ausschließlich Bio-Diesel. Unser Auto scheint das zum Glück nicht zu stören, es hat auch keine andere Wahl.

Fünf Tage lang fahren wir durch die Wüste, und das, obwohl die Straße wirklich gut ist und wir 80-90 km/h fahren können. Ganz schön groß, dieses Peru, staunen wir. Zwischendurch stoppen wir für die Lehmstadt Chan-Chan, die noch aus der Zeit vor den Inkas stammt. Die Schafplatzsituation ist leider nicht so toll in der Wüste, wir übernachten an bewachten Tankstellen und auf Motel-Parkplätzen (hier in der Regel als Stundenhotels genutzt). Kurz vor Lima brechen wir einen neuen Rekord: 6 Polizeikontrollen an einem Tag. Einmal werden wir leider auch beim zu schnell fahren erwischt (die Tempolimits sind hier etwas unübersichtlich) und kommen nur nach langem Diskussionen und ein paar Krokodilstränen mit einer Verwarnung davon. Dann gibt auch noch unsere Hupe den Geist endgültig auf, zu viel Staub, Wasser und Meerluft. Das ist hier in Peru geradezu ein Totalschaden und vor allem bei der Durchquerung von Lima eher ungünstig. Aber für wenig Geld gibt es kurz hinter Lima eine neue. Auch auf langen Fahrtagen kann man aber nette Bekanntschaften machen, wir treffen zum Beispiel gleich einen lokalen Porsche-Rennfahrer-Star, Ricardo Jr., der im letzten Jahr auch in Deutschland auf vielen großen Rennstrecken gefahren ist. Wir unterhalten uns sehr nett mit ihm und seiner Freundin. Wieder einmal kriegen wir bestätigt, dass die Tour nach Machu Picchu ein großes Highlight wird. Die Vorfreude steigt. Nach einem Stop bei den berühmten Nazca-Linien geht es endlich wieder hoch ins Gebirge. Auf 4500 m kämpfen sowohl wir als auch unser Auto schon etwas mehr mit der Höhenkrankheit: Leichte Kopfschmerzen begleiten uns und unser Bus sammelt Überdruck im Getriebe und lässt sich nicht mehr schalten. Naja, im zweiten Gang kommt man auch an und sieht viel mehr, auch wenn die Straße eigentlich doch ein schnelleres Tempo erlauben würde. So kann man die Landschaft mehr genießen, die knuffigen Alpakas fotografieren und den Schneeregen bewundern. Und unter 4000 m funktioniert auch alles wieder. Cusco liegt zum Glück auf 3500 m. Dies ist die ehemalige Hauptstadt der Inka und die touristischste Stadt Perus. Von hier aus wird unser 5-tägiger Trek über den Salkantay Pass (4600m) bis zum Machu Picchu losgehen. Da wir das Auto die nächsten Tage sowieso irgendwo sicher parken müssen und nicht brauchen, beschließen wir, es in einer empfohlenen Werkstatt zu lassen und ein paar Sachen reparieren zu lassen. Die Ölwanne, die seit Guatemala immer wieder mal tropft, lassen wir professionell schweißen, eine Dichtung im Getriebe austauschen und wo wir schon hier sind auch gleich die Roststellen ausbessern. Wir dürfen noch zwei Nächte kostenlos auf dem Parkplatz der Werkstatt schlafen. Sicher hatten wir schon romantischere Stellplätze auf unserer Reise, aber es gibt immerhin Strom, ab und zu Internet und eine Toilette 🙂

Dann geht es endlich los. Um 3:30 Uhr müssen wir aufstehen, um um 4:30 Uhr mit dem Bus aus Cusco abgeholt zu werden. Die Wanderung startet dann in Challacancha. Der erste Tag ist eher Warmup, wird aber gleich von einem Abstecher zu einem türkisen Bergsee gekrönt. Der Aufstieg ist ein Höhentest für den nächsten Tag, 400 Höhenmeter müssen innerhalb von einer Stunde zurückgelegt werden, bis man den See auf 4200 m erreicht. Wir schnaufen ganz schön, schaffen es aber locker, und weil die Sonne grad so traumhaft scheint, nehmen wir allen Mut zusammen und hüpfen für ein paar Sekunden in das eiskalte Gletscherwasser.

Am nächsten Tag folgt dann das anstrengendste und höchste Stück der Wanderung. Nach einem Koka-Tee im Zelt brechen wir bei leichtem Nieselregen auf, um den Salkantay-Pass zu überqueren. Auf 4500 m verwandelt sich der Regen in Schnee und wir schnaufen durch das Schneegestöber weiter den Berg hinauf. Zum Glück ist es nicht so steil wir zum Bergsee und wir sind schon gut akklimatisiert. So sind wir gar nicht so müde wie gedacht, als wir den Pass auf 4630 m erreichen, ganz nah am schneebedeckten Salkantay-Berg. Die Sonne kann sich leider nicht ganz durch die Wolken kämpfen, aber schon so ist der Anblick atemberaubend. Nach einer kleinen Gipfelzeremonie geht es wieder runter und abends schlafen wir sogar schon in Höhenlagen, in denen die Temperatur angenehm ist.

Die nächsten zwei Tage sind etwas entspannter, die Wanderstrecken sind bergab oder eben und nachmittags baden wir in warmen Quellen in Santa Teresa. Leider gibt es etwas Missstimmung, weil unser Guide seinen Job unterirdisch schlecht macht, nicht genug Englisch redet, um verlässlich mit ihm zu kommunizieren und deshalb dauernd falsche Informationen gibt, uns einmal fast verliert und schon bei geringeren Problemen völlig unpassend reagiert. Aber nach einer Weile können die meisten dann doch darüber lachen.

An Tag 5 müssen wir schließlich noch einmal um 3:30 Uhr aufstehen. Unsere Gruppe hat sich nämlich zum Ziel gesetzt, die ersten auf dem Machu Picchu zu sein. Um 4 Uhr wandern wir los, um ganz vorne in der Schlange am Tor zu stehen, das um 5 Uhr aufmacht. Dann folgt fast eine Stunde Treppentraining: Die letzten 400 Höhenmeter zur Ausgrabungsstätte bestehen nur aus Treppen. Dafür sind wir tatsächlich recht weit vorne in der Schlange vor dem eigentlichen Eingang und sind tatsächlich für eine kurze Zeit fast alleine in der Inkastadt, als sich um 6 Uhr deren Tore öffnen. Wunderschön, wie die Morgensonne über die Berge schaut und die Stadt in ihr weiches Licht taucht. Aber ob das nun das Gehetze am Morgen wert war, da sind wir uns doch eher unsicher 🙂 Für die Führung hier haben wir zum Glück einen neuen Guide und so erfahren wir eine Menge spannende Geschichten über Machu Picchu, das wahrscheinlich ein religiöses Zentrum des Inkareichs war. Natürlich machen wir auch das traditionelle Machu Picchu-Foto vom Aussichtspunkt aus, bevor wir noch einen letzten Berg für diese Wanderung erklimmen, den Machu Picchu-Berg. Noch einmal eine knappe Stunde voller steiler Treppen, dafür wird man mit einer tollen Aussicht auf die Stadt belohnt. Jedenfalls bis man die Wolken erreicht, die heute morgen leider den Berg verhüllen. Aber wir nehmen es mit Humor, man kann eben nicht immer gute Aussicht haben. Völlig erschöpft sind wir schließlich, als wir nachmittags all die Treppen wieder herunterlaufen nach Aguascalientes, von wo es mit dem Zug und Bus zurück nach Cusco geht. Wir belohnen uns erst mal mit einem Burger und Ceviche, einer Art Salat aus rohem Fisch, Zitrone, Zwiebeln und Chili. Auf der Rückfahrt treffen wir noch Myriam und Christoph wieder, ein deutsches Pärchen aus unserer Wandergruppe und so haben wir eine lustige Rückfahrt.

Zurück in der Werkstatt stellen wir leider fest, dass sich an unserem Auto nicht so viel getan hat wie wir uns erhofft hatten. Also verbringen wir am nächsten Tag noch einen Tag mit Myriam und Christoph in Cusco und warten heute weiter auf die Fertigstellung unseres Autos. Aber es geht voran, die Roststellen werden hier eben sehr perfektionistisch geschweißt.

Sobald unser Auto fertig ist, geht es für uns zum Titicaca-See und dann über die Grenze nach Bolivien. Dort warten noch einige spannende Straßen (befestigt, aber nicht asphaltiert, was das wohl heißt und wie man darauf vorankommt?) und hoffentlich ein Ausflug zum Salar de Uyuni auf uns, bevor es durch Nordargentinien nach Buenos Aires und mit der Fähre nach Montevideo geht. So langsam spüren wir, dass sich unsere Reise dem Ende zuneigt, aber der letzte Monat soll jetzt natürlich noch ordentlich genossen werden 🙂

Liebe Grüße und bis bald,

Leo und Fabi