Von türkisen Seen und gletscherbedeckten Bergen: Der Torres del Paine-Nationalpark

Das neue Jahr startet für uns ganz hervorragend: Mitternacht verschlafen wir zwar im Hostel, dafür geht es um 6 Uhr los zum Busbahnhof. Denn ab heute wandern wir eine Woche lang durch den Torres del Paine-Nationalpark, Chiles berühmtesten Nationalpark. Die Wanderung führt uns auf etwa 130 Kilometern um das gesamte Bergmassiv der namensgebenden Felstürme (Torres) herum. Wie viel wunderschöne und vielseitige Natur hier auf einem Fleck liegt, erstaunt uns immer wieder. An einem Tag kann man durch blumenübersäte Wiesen und knorrige Wälder, entlang schroffer Berge und imposanter Gletscherzungen zu karibisch wirkenden türkisen Seen laufen. Da Wandergeschichten im Nachhinein meist eher langweilig zu lesen sind, liefern wir nur eine Kurzzusammenfassung der Wanderung und lassen ansonsten Bilder sprechen:

In Tag 1 starten wir mit Orientierungsschwierigkeiten, dafür treffen wir danach keine Menschenseele auf dem Pfad. Beides liegt daran, dass wir aus Versehen auf einem alten Weg laufen, wie wir später erfahren.

Tag 2 ist unser doppelter Tag im Vergleich zur 8-Tages-Route. Wir überwinden einen kleinen Pass, erspähen die Torres in der Mittagssonne und durchqueren nicht enden wollende Wälder.

An Tag 3 stehen wir um 5 Uhr auf, um den Gardner-Pass in Angriff zu nehmen, den mit 1180 m höchsten Punkt der Wanderung. Das Wetter ist uns hold und wir müssen nicht wie befürchtet bei Gegenwind über den Pass kriechen. Dazu haben wir stundenlang einen wunderbaren Blick auf den beeindruckenden Grey-Gletscher. Wie unschwer anhand der Anzahl der Bilder zu erkennen ist, ist der Grey-Gletscher unser persönliches Highlight.

An Tag 4 verwandelt der patagonische Wind unseren entspannten Tag in eine echte Herausforderung und Leo kommt aufgrund des ungünstigeren Rucksackgewicht-Eigengewicht-Verhältnisses doch noch in den Genuss des Kriechens. Unsere Ausdauer wird immerhin mit strahlendem Sonnenschein und hervorragender Aussicht belohnt.

Die Tage 5 und 6 führen entlang türkiser Seen, auf die die patagonische Mischung aus Sonne, Wind und Regen unwirkliche Regenbogen zaubert. Langsam freuen wir uns aber auf eine ausgiebige Dusche, eine Waschmaschine und frisches Essen.

An Tag 7 brechen wir mitten in der Nacht zum Sonnenaufgang an den Torres auf. Ein gutes Dutzend weitere Verrückte haben diesen Tipp ebenfalls im Reiseführer gelesen und kraxeln mit Taschenlampen den Berg hoch. Leider verlässt uns unser bisheriges Wetterglück und wir stehen stattdessen im Schneegestöber. Nun ja, das Wetterglück begann ja auch schon unverschämt zu werden und wir haben die Torres immerhin schon mehrmals aus der Ferne gesehen. Völlig erschöpft, aber dankbar und voller beeindruckender Bilder im Kopf fahren wir zurück nach Puerto Natales.

Hier heißt es erst mal Wäsche waschen und den Körper im Spa für die Strapazen entschädigen, bevor wir nach Argentinien weiterziehen. In El Calafate und El Chaltén warten weitere Gletscher und Berge darauf, erkundet zu werden.

Liebe Grüße aus der Ferne,

Leo und Fabi