Von Roadtrips, knuffigen Pinguinen und riesigen Gletschern: Argentinisches Patagonien

Hallo ihr Lieben,

viele Grüße aus Bariloche, unserem letzten Stopp in Argentinien. Damit geht eine abwechslungsreiche Woche im argentinischen Teil Patagoniens zu Ende.

Als erstes fällt uns wieder positiv auf, was für eine Campingnation Argentinien ist. Jede Stadt hat mehrere städtische Campingplätze, die gut benutzt werden. Und die Argentinier (P.S. wir bitten diese und die folgenden Verallgemeinerungen zu mit einem Augenzwinkern zu betrachten) haben die Sache mit dem Camping raus: Jeder Zeltstellplatz hat einen Tisch und – viel wichtiger – einen Grill. Letzterer wird sowohl zum Frühstück als auch zum Abendessen angeheizt, um stundenlange Asados (Grillfeste) abzuhalten. Für Asados und Parties werden die Campingplätze generell gut genutzt. Auch Jugendliche, die eine Party feiern wollen, nutzen die zentrale Lage der Campingplätze, um sich dort mit Freunden zu treffen. Die Lautstärke ist nachts deswegen nicht immer so schlafförderlich, die allgemeine Stimmung dafür umso besser. Wir schließen uns den Asados gerne an und grillen jeden Tag, nur dass unsere Grillabende immer schon enden, wenn die anderen erst den Grill anheizen. In Argentinien scheint der Tagesablauf nämlich etwa 4 Stunden nach hinten verschoben zu sein: Abendessen gibt es ungefähr zwischen 22 und 24 Uhr, dafür machen selbst die Bäcker erst um 8:30 Uhr auf und die Bürgersteige werden frühestens ab 10 oder 11 Uhr wieder ausgeklappt. Zwischen 13 und 17 Uhr wird Siesta gehalten und viele Geschäfte machen zu. Wir fallen mehrmals auf die für uns ungewohnten Zeiten rein und wollen gerade in der Mittagspause etwas essen oder einkaufen.

Nach einer Nacht in El Calafate packt uns das Roadtrip-Fieber und wir beschließen, an die Atlantikküste zu fahren. Wir haben gelesen, dass es dort einen tollen Küstennationalpark gibt. Also nichts wie ans Meer, Berge hatten wir erst mal genug. Wobei unser Ausflug ein wenig auf gut Glück ist, denn laut letzten Meldungen sind die Straßen im Nationalpark nach dem Winter so beschädigt, dass er geschlossen werden musste. Aber so ein Roadtrip ist immer für etwas gut, weil man viel vom Land sieht. So ist es auch diesmal. Wir hatten uns schon gefragt, warum unser Reiseführer in diesem Teil von Argentinien keinen Ort empfiehlt und die Antwort klärt sich nach ein paar Stunden von selbst: weil hier überhaupt nichts ist. Stundenlang fahren wir durch weite Steppen, ohne ein einziges Haus, geschweige denn eine Ortschaft zu sehen. Die Dimensionen von Argentinien kann man hier spüren. Allein für diese Erfahrung war es der Roadtrip schon wert.

Aber auch der Nationalpark lohnt sich. Die Straße ist nur teilweise gesperrt und wir können bis zu einer riesigen Kolonie von Magellanpinguinen wandern. Die Puma-Warnschilder flößen uns erst Respekt ein, wir wagen den Weg aber dennoch. Natürlich sehen wir keinen einzigen Puma, sondern nur tausende von Pinguinen. Sie verstecken sich überall in den Büschen, watscheln durch den Sand und spielen am Strand im Wasser. Einige sitzen sogar direkt auf dem Wanderweg. Und der Nationalpark ist durch seine Abgeschiedenheit ein echter Geheimtipp, nur zwei andere Touristen haben den Weg hierher gefunden. Wir sind sehr zufrieden mit unserem Spontanausflug. Die positive Energie benötigen wir auch kurz danach, als wir feststellen, dass der Rückweg zu weiten Teilen aus sehr holpriger Schotterstraße besteht. 120 km mit 30 km/h, das erfordert Geduld. Wir sind ziemlich froh, als wir wieder festen Boden unter den Rädern haben und auf der berühmten Ruta 40, die durch ganz Argentinien führt, das letzte Stück nach El Chaltén brausen.

Dort ist dann Schluss mit der Einsamkeit. El Chaltén ist das El Dorado für alle Wanderfreunde und ein reiner Touristenort, wenn auch hübsch gestaltet. Auch wir wollen natürlich zur Laguna de los Tres wandern, um den Fitzroy, den berühmtesten Berg der Gegend, ganz nah zu sehen. Bei wunderbarem Wetter brechen wir auf den Berg auf – mit tausenden anderen Menschen. Die Lagune, die wir nach ein paar Stunden Wanderung erreichen, ist hübsch, aber ob sie den Rummel rechtfertigt, wissen wir nicht ganz. Wir genießen die touristische Infrastruktur aber auch ein wenig und gönnen uns zurück in El Chaltén ein schickes Hotel sowie Steak und Craftbier zum Abendessen.

Unser nächster Stopp ist erneut El Calafate, wo wir noch den Perito Moreno-Gletscher besuchen wollen und sogar eine kurze Wanderung auf dem Gletscher gebucht haben, um mal in eine Gletscherspalte schauen zu können. Davor machen wir uns aber erst einmal über Gletscher schlau und gehen ins Glaciarium. Bestens vorbereitet können wir tags darauf zum Perito Moreno fahren. Und der hat seinen Status als Touristen-Hotspot redlich verdient. Kilometerlang zieht er sich vor den Stegen entlang, auf denen man an ihm entlanglaufen kann. Das beeindruckendste ist aber die Geräuschkulisse: Es knackt und knirscht und rauscht gewaltig. Denn der Gletscher ist ständig in Bewegung, der Perito schiebt sich durchschnittlich 2 Meter am Tag nach vorne. Dabei fallen immer wieder riesige Eisbrocken von der Vorderkante ab. Wir haben das Glück, den Perito mehrmals kalben zu sehen, bekommen das Phänomen aber leider nicht wirklich vor die Linse.

Nach so vielen Gletschern und Bergen verlassen wir El Calafate am nächsten Tag Richtung Bariloche, 1000 km weiter im Norden, Zentrum von Argentiniens Seenregion und Craftbierszene. Für uns ist es allerdings nur ein Zwischenstopp und nach ein paar Craftbieren zieht es uns auf die chilenische Seite zurück, wo wir einen kleinen Campervan gemietet haben. Dann heißt es für unsere letzte Urlaubswoche: Back to vanlife! 🙂

Liebe Grüße,

Leo und Fabi