Verschiffung Panama – Kolumbien

Häfen: Manzanilla (Colón) – Santa Marta

Auf panamaischer Seite:

Kosten: 1082 USD, davon 1010 USD an die Spedition und 72 USD (offiziell 71 USD) Hafengebühren

Dauer: ca. 2 Tage

Insgesamt lief hier alles recht organisiert und flüssig ab. Die Instruktionen unserer Agentin und von iOverlander sind ausreichend.

1. Spedition für die Verschiffung suchen. Wir haben uns für RoRo mit Höegh Autoliners (früher SC Lines) entschieden, denn keiner konnte uns zu 100 % sagen, ob wir in einen Container passen; die Angaben variierten um die entscheidenden 10 cm. Das nächstgünstigste ist RoRo, dauert aber auch 2 Wochen, weil das Schiff über Mexiko und Jamaika fährt. Kosten (24 m³): 1010 USD, davon 660 USD Transportkosten, 50 USD Bill of Lading, 300 USD Dokumentations- und andere Kosten in Manzanillo, Panama. Die anderen Angebote waren: RoRo (14 Tage) für ca. 1600 USD mit Barwil/Wilhelmsen. Container teilen für 850 USD mit Seaboard (3-4 Tage), LoLo für ca. 1600 USD mit Seaboard (3-4 Tage). NYK Lines schiffen einmal im Monat nach Ecuador, nehmen aber Autos nur komplett leer mit, das fiel für uns weg. Höegh Autoliners arbeitet mit Tea Kalmbach zusammen, die als Agentin fungiert. Tea ist nicht vor Ort, schickt aber hilfreiche Instruktionen in etwas chaotischen E-Mails.

2. Autoinspektion bei der Polizei (DIJ). Früh hingehen, um nicht zu lange warten zu müssen. Der Ort ist schwer zu finden, aber der iOverlander-Punkt ist richtig. Bei uns wurde nichts überprüft, nicht einmal die Fahrgestellnummer.

3. Dokument über die Inspektion beim Generalsekretariat der Polizei abholen (andere Straßenseite als die Inspektion). Geht ab 14 Uhr nachmittags am Tag der Inspektion.

4. Auto reisefertig machen. Bei Höegh soll man kein persönliches Gepäck transportieren und es ist nicht versichert, aber man kann es im Auto lassen. Wir haben unsere Campingausrüstung und Teile der Kleidung im Auto gelassen. Als Diebstahlsicherung haben wir zwischen Fahrerkabine und Wohnteil einen Hasendraht geschraubt. Es gab keine Hinweise zu Gas- und Benzintransport, sodass wir unsere Gasflasche voll transportiert haben, den Tank zu einem Viertel gefüllt.

5. Auto nach Colón in den Hafen bringen. Dort ist einiges an Papierkram zu erledigen. Erst eine Kopie der Bill of Lading bei der Spedition abholen, dann verschiedene Stationen beim Zoll und Hafen abklappern. Die Schritte sind in iOverlander gut beschrieben, weswegen wir auf eine nähere Beschreibung verzichten.

6. Selbst nach Kolumbien kommen. Wir sind mit Blue Sailing über die San Blas-Inseln nach Cartagena gesegelt, was eine sehr schöne Option ist. Die Ein- und Ausreiseformalitäten für Panama und Kolumbien hat der Kapitän übernommen.

 

Auf kolumbianischer Seite:

Kosten: 70 USD (in COP zu zahlen), 130010 COP Autoversicherung (3 Monate)

Dauer: 1-4 Tage

Hier haben wir keinerlei Instruktionen der Spedition oder von unserem Ansprechpartner (José Barra) erhalten. Das Prozedere ist sehr aufwendig, sodass es uns sehr viel Nerven und Zeit gekostet hat, zumal wir wegen der fehlenden Instruktionen nie die richtigen Dokumente und Utensilien parat hatten, zwischendurch 3 Stunden Stromausfall und Wochenende war. Das heiße Wetter schlaucht zusätzlich.

1. Original der Bill of Lading abholen. Dies geht beim Ansprechpartner der Spedition vor Ort (bei uns José Parra).

2. (man kann auch 3. und 4. vorziehen) Die Tramite beim Zoll (DIAN) beantragen. Dafür werden benötigt: ein Brief mit höflicher Bitte um Erteilung der Tramite an die Chefin des Zolls (Beispiel siehe Fotogalerie) plus Kopie, zwei Kopien der Bill of Lading, des Reisepasses und der Zulassung. Mit dem einen Satz Kopien muss man zum Zoll in der Stadt fahren (die Taxis wissen wohin, wir haben leider im Stress keinen iOverlander-Punkt erstellt) und den Brief stempeln/beglaubigen lassen. Dann fährt man mit dem Brief und den übrigen Kopien zum Zoll im Hafen und stellt den Antrag.

! Dresscode beim Zoll:  für Männer lange Hose und feste Schuhe, für Frauen keiner, Sommerrock und Flipflops waren völlig ok 🙂 !

3. Hafengebühren begleichen. Dafür wird benötigt: Reisepass. Man gibt den Pass ab und erhält eine Rechnung über die Hafengebühren. Diese bezahlt man bei der Bank nebenan (in bar, es gibt Geldautomaten im Gebäude) und erhält eine Quittung.

4. Eine Erlaubnis zum Betreten des Hafengeländes holen. Dafür werden benötigt: ein förmlicher Brief mit der Bitte um Erlaubnis, das Gelände zu betreten (Beispiel siehe Fotogalerie) plus Kopie, eine Kopie der Bill of Lading, des Reisepasses, der Zulassung und des Nachweises einer Krankenversicherung sowie die Quittung über die Begleichung der Hafengebühren. Die Papiere gibt man bei der Hafengesellschaft ab und erhält den Brief gestempelt zurück als Bestätigung.

5. Inspektion des Autos. Man geht mit einem Hafenmitarbeiter zum Auto und das Auto wird inspiziert. Die Inspektion war nicht besonders gründlich.

! Dresscode: Im Hafen ist Schutzkleidung vorgeschrieben: Arbeitsschuhe/Stiefel, Helm und Warnweste. Für die Warnweste hat sich niemand interessiert, aber je nach Laune des Beamten am Eingang kam man ohne Stiefel und Helm nicht rein. Einen Helm kann man sich angeblich im Hafen leihen, das sehen sie aber nicht gern. Uns haben nette Zollmitarbeiter den Helm geliehen, Wanderstiefel hatten wir zum Glück selbst. !

6. Auf die Erteilung der Tramite warten. Diese muss nämlich von der Chefin des Zolls unterschrieben werden und die kommt ins Büro, wann es ihr passt. Wir haben 5 Stunden auf die Unterschrift gewartet.

7. Erlaubnis zum Abholen des Autos aus dem Hafen holen. Dafür werden benötigt: ein förmlicher Brief mit Bitte um Erlaubnis (leider haben wir kein Beispiel mehr, da wir den Brief nicht selbst schreiben mussten, s.u.) plus Kopie, eine Kopie der Bill of Lading, des Reisepasses und der Zulassung sowie die Quittung über die Begleichung der Hafengebühren. Man gibt die Unterlagen bei der Hafenverwaltung ab, diese füllt ein Formular aus und stempelt am Ende den Brief.

8. Auto aus dem Hafen abholen. In den Hafen gehen (Dresscode und Erlaubnis zum Betreten des Hafens nicht vergessen) und den gestempelten Brief von Nr. 7 vorzeigen. Man bekommt eine Quittung angeheftet, das Auto wird noch mal untersucht, eine zweite Quittung angeheftet und alles ins System eingegeben. Dann kann man das Hafengelände mit dem Brief verlassen, es wird an der Ausfahrt erneut untersucht.

9. Die obligatorische Autoversicherung abschließen (SOAT). Das war bei weitestem der schwierigste Schritt. Keine Versicherung konnte (wollte?) uns als Ausländer versichern. Stattdessen wurden wir auf den nächsten Tag vertröstet oder zur nächsten Versicherungsgesellschaft geschickt. Wir wissen nicht genau, was das Problem war, aber scheinbar werden besondere Vordrucke und eine Autorisation des Hauptsitzes in Bogotá benötigt und hier geht nichts schnell. Am Ende haben uns Seguros del Estado versichert.

10. Fertig. (Mit den sehr passenden Worten von LifeRemotely) Get to hostel, and have a mojito or six. Pass out. Do not repeat. 😀

! Hinweise:

Fast überall wird der „titulo“, also der Nachweis über die Eigentümerstellung, neben der Zulassung gefordert. Wir haben kein Original des Kfz-Briefs mit und eine Kopie würde nur zur Frage nach dem Original führen, deswegen erklären wir immer, das sei in Deutschland dasselbe wie die Zulassung. Damit sind wir überall durchgekommen. Von anderen Overlandern haben wir gehört, dass es auch gut funktioniert, laminierte Kopien als Original auszugeben.

Ob man die o.g. Briefe selbst schreiben muss oder ob der Beamte sie für einen schreibt, hängt von der Laune des Beamten ab. Besser ist, man hat sie parat. Das gleiche gilt bei jedem der Stempel: Ob er eine Minute oder einen Tag dauert, ist komplett tagesformabhängig. Unsere recht erfolgreiche Strategie bei Beamten, die uns auf später vertrösten wollen: Einfach so lange am Schreibtisch stehen bleiben oder im Wartebereich sitzen bleiben, bis man den Stempel hat. Oft wurden wir für eine bestimmte Zeit weggeschickt, haben das Dokument aber viel früher als angekündigt erhalten, wenn wir einfach vor Ort geblieben sind.